Förderung durch die KVBB

Viele Wege führen zur Niederlassung!

Brandenburg, 05/2015 - Karin Rettkowski von der KV Brandenburg erläutert im JuDerm-Interview, was es über die Standardmodelle hinaus für Möglichkeiten gibt, und wie diese gefördert werden.

JuDerm: In Brandenburg gibt es derzeit, wie auch in anderen Regionen, echte Nachwuchsschwierigkeiten bei Niedergelassenen Ärzten. Zeigt sich das bereits in der Versorgung der Patienten?
K. Rettkowski: Die Struktur der ambulanten Versorgung wird in Brandenburg durch unsere große Ausdehnung als Flächenland geprägt. Unterschiede in Versorgungsdichte und Versorgungsangeboten sind symptomatisch und haben sich auf der Grundlage regionaler Bedürfnisse entwickelt und angepasst.

Diese großflächigen und überregionalen Strukturen sind jedoch ausgesprochen sensibel und reagieren sehr anfällig auf Veränderungen.

So werden Schließungen von Arztpraxen in ländlich geprägten Regionen auf Grund der Wegelängen viel markanter und folgenschwerer empfunden als in infrastrukturell dicht besiedelten Gebieten.
Dem Anspruch der Brandenburger Bevölkerung auf eine flächendeckende und somit auch „gerechte“ Versorgung stellen wir uns seit Jahren und konnten mit wenigen Ausnahmen auf die sich verändernden Situationen bisher gut reagieren.

Trotzdem müssen wir zunehmend feststellen, dass die Nachbesetzungen dermatologischer Praxen sich immer schwieriger gestalten.  Die Ursachen mögen vielschichtig sein.
Mit einer solchen Situation sind wir derzeit an zwei Standorten in unserem Land besonders konfrontiert –  in der Stadt Templin und in Frankfurt (Oder).

In Templin (Landkreis Uckermark, ca. 77,8 km und 1,18 Stunden Fahrzeit mit dem Auto von Berlin entfernt) ist die Schließung der einzigen Vertragsarztpraxis noch in diesem Jahr zu befürchten.

Obwohl der Landkreis Uckermark mit insgesamt vier ambulant tätigen Ärzten und einem Versorgungsgrad von 122,3 % als rechnerisch ausreichend versorgt erscheint, wird die hautärztliche Versorgung im Raum Templin ohne Nachfolgeregelung völlig zum Erliegen kommen. Da die weiteren hautärztlichen Standorte im Landkreis Uckermark in Schwedt und Angermünde verkehrlich nur schlecht an Templin angebunden sind, können diese Angebote die sich abzeichnende Versorgungslücke in Templin nicht auffangen.

JuDerm: Der Schritt in eine Niederlassung will gut überlegt sein und manch einer scheut die Verantwortung der Selbständigkeit. Auf welche Unterstützung können sich Niederlassungswillige verlassen?
K. Rettkowski: Keiner unserer „jungen“ Ärzte wird auf dem Weg in die Niederlassung allein gelassen- egal welcher Fachrichtung und für welchen Niederlassungsort sie sich zunächst entscheiden. Dafür haben wir in der KV Brandenburg ein sehr intensives und umfassendes Beratungsangebot, welches vom Start bis zur Beendigung der Tätigkeit alle Abschnitte der Tätigkeit eines niedergelassenen Arztes begleitet.

Der Beginn der Tätigkeit ist besonders wichtig, denn in dieser Phase werden die Weichen für alle weiteren Schritte, die so erfolgreich wie möglich gestaltet werden sollen, gelegt. Von daher ist hier die Niederlassungsberatung, die betriebswirtschaftliche Beratung, die Abrechnungsberatung und die Beratung zu Fragen der Verordnungen und  Wirtschaftlichkeitsprüfungen von besonderer Bedeutung- ein sogenanntes Konzentrat an Beratungsinhalten und -leistungen. Selbstverständlich stehen diese Berater den Ärzten auch nach Beginn ihrer Tätigkeit weiterhin zur Verfügung, je nach Bedarf und Notwendigkeit.

Die finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten sind auf spezielle Fachgruppen und Regionen festgelegt. In diesem konkreten Fall wird die Praxis von Frau Göhre in Templin mit insgesamt 50.000 € finanziell gefördert - 25.000 € als Investitionskostenzuschuss zu Beginn der Praxistätigkeit und weitere 25.000 € in Form von Raten über 5 Jahre.

JuDerm:  Einzelpraxis oder Gemeinschaftspraxis - schwarz oder weiß. Gibt es noch andere Optionen? Welche?
K. Rettkowski: Die Ausübung der ärztlichen Tätigkeit ist an keine stringente Form gebunden; sie kann in eigener Niederlassung, in Anstellung in einer KV-eigenen Praxis mit der Option der späteren Selbständigkeit oder – darauf möchte ich besonders Augenmerk legen - in Form einer Zweigpraxis ausgehend von einer etablierten Berliner Praxis durch einen oder mehrere angestellte Dermatologen durchgeführt werden.

Die KV Brandenburg würde sich, sofern die fachlichen Voraussetzungen gegeben sind, den Wünschen der Dermatologen stellen und alle Hilfestellungen geben. Auch die kommunalen Vertreter der Städte haben ihre Unterstützung bereits zugesagt.

JuDerm: Welche Besonderheiten sind bei einer Landesübergreifenden (z. B. Berlin - Brandenburg) Tätigkeit zu beachten?
Bei einer geplanten landesübergreifenden Tätigkeit gibt es natürlich Besonderheiten zu beachten. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten:

1. Anstellung eines oder mehrerer Ärzte aus eine Berliner dermatologischen Praxis in Form einer genehmigten Zweigpraxis. Die Anstellung kann in Vollzeit oder Teilzeit erfolgen.
2. Gründung eines überörtlichen Berufsausübungsgemeinschaft (üBAG), indem eine zugelassene Praxis (mit einem oder mehreren Dermatologen) in Berlin mit einem zugelassenen Dermatologen in Brandenburg zusammenarbeiten.
Was genau zu tun (zu beantragen) ist und worauf man achten sollte und muss, ist in schriftlicher Form sehr umfangreich und lässt auch bei aller Ausführlichkeit immer Fragen offen. Von daher stehe ich und meine Kolleginnen für Rückfragen zur Umsetzung von Montag 9.00 Uhr bis Freitag 14. 00 Uhr immer unter der Rufnummer 0331/2309-320 zur Verfügung.

JuDerm: Wo Gibt es derzeit Kapazitäten (freiwerdende Praxen) für Niederlassungswillige? Zu welchen Bedingungen können diese wahrgenommen werden?
K. Rettkowski: Im Moment liegt uns die oben bereits erwähnte Templiner Praxis aus den erläuterten Gründen sehr am Herzen. Die Praxis hat eine überdurchschnittliche Behandlungsfallzahl und ein großes Einzugsgebiet. Die derzeitige Inhaberin stellt Ihre Räume in unserem Video selbst vor! Die Praxis von Frau Dr. Göhre wäre bereits zum 01.04.2015 übernehmbar. Aber auch ein späterer Zeitpunkt sollte kein Hinderungsgrund sein. Genaue Optionen der Weitergabe einschließlich der Weitervermietung der derzeitigen Räume sind natürlich mit Frau Dr. Göhre zu klären, da eine Praxis sich ja im Eigentum des jeweiligen Arztes befindet. Sollte es im Rahmen der Verhandlungen  Schwierigkeiten geben (von denen nicht auszugehen ist), so können wir auch vermittelnd begleiten. Die Hilfe des Bürgermeisters der Stadt Templin ist bereits abgesprochen. Es wäre für den Arzt vorteilhaft wenn er / sie psychosomatische Leistungen,  die eine besondere Genehmigung erfordern, zusätzlich mit anbieten kann. Auch das ambulante Operieren wäre sicher nicht nachteilig. Auf diese Thematik im Ganzen und Speziellen geht unsere Abrechnungsberatung ein.

JuDerm: Wann und wie kann man Sie am besten kontaktieren, um weitere Fragen zu besprechen?
K. Rettkowski: Die KVBB hat natürlich eine eigene Webseite mit Kontaktmöglichkeiten, diese finden Sie HIER. Natürlich können Sie mich auch direkt kontaktieren, meine Erreichbarkeit: von Montag 10.00 Uhr bis Freitag 14.00 Uhr unter der Rufnummer 0331/2309-320.

Sofern ich nicht selbst an den Apparat gehe, nehmen meine Kolleginnen das Gespräch gern entgegen und ein Rückruf wird vereinbart.

Liebe Junge Dermatologen, ich möchte Euch etwas mit auf den Weg geben: Mut braucht man für viele Dinge im Leben, für die Selbstständigkeit ist Wollen wichtiger. Viele Vorbehalte stellen sich im Nachhinein mit den richtigen Partnern an der Seite als falsch heraus. Die Chancen überwiegen!