"Alle Dermatologen sind so unglaublich nett!"

Interviews mit Regisseur Lukas Kuhne und Hauptdarstellern Christoph Schlemmer und Elisabeth Niederer

Für uns junge Dermatologen war es ein aufregendes Projekt. Ein Film! Dass das einiges mehr bedeutet, als mit der Smartphone-Kamera draufzuhalten, haben wir im Verlauf des Projektes auf eindrucksvolle Weise gelernt. Fragen über Fragen haben uns monatelang auf Trab gehalten. Welche Geschichte wollen wir erzählen, was ist die Botschaft? Was kostet sowas eigentlich und wer bezahlt es? Wer macht den Film? Wo dreht man, welches Equipment ist notwendig? Maske, Kostüme, Ton, Requisiten, Licht - ein Film ist ein Mega-Projekt. Als Team hat es uns zusammengeschweißt und auch die Filmcrew ist uns ans Herz gewachsen. Wir freuen uns also, im Gespräch mit Regisseur Lukas und den Hauptdarstellern Christoph und Elisabeth auch mal die Menschen hinter dem Film zu zeigen:

JuDerm: Sorry Elisabeth, bei Deiner Rolle in unserem Film drängt sich diese Frage leider auf: Glaubst Du an Wahrsagerei? 
Elisabeth: Hmmmmm - ich würde ja vielleicht gern....ich war noch nie bei einer Wahrsagerin. Ich vermute, wenn eine 'es gut bringt', könnte ich gefährdet sein, doch dran zu glauben - aber ehrlich gesagt: eigentlich eher nicht. 

JuDerm: Lukas, wie war Deine Meinung zur Dermatologie vor dem Projekt und wie ist sie heute? Lukas: Ich muss sehr regelmäßig zum Dermatologen, weil ich eine absurde Menge Leberflecken habe. In meiner Teenagerzeit waren diese Besuche immer extrem nervenaufreibend, da meine damalige Dermatologin, nachdem sie mich bat mich komplett auszuziehen, immer ihre hübschesten Artzhelferinnen herbeirief, um ihnen anhand meines Hautbildes etwas Lehrreiches zu vermitteln. Insbesondere ein kleiner Leberfleck in meinem Intimbereich war oft von Interesse und so stand ich, starr vor Ithyphallophobie, in dem hellen Behandlungszimmer, während die jungen Frauen abwechselnd durch das viel zu kurze Auflichtmikroskop schauten und dabei auf meinen Hoden atmeten. Mittlerweile sind die regelmäßigen Besuche beim Dermatologen Routine, aber wegen dieser früheren Erfahrungen hatte ich keine guten Assoziationen mit der Dermatologie als Fach und habe mich auch nicht weiter damit beschäftigt.
Ich habe mich im Rahmen dieses Projekts erstmals tiefer mit dem Thema Haut auseinandergesetzt und fand es ziemlich faszinierend. Als ich dann auf der 48. DDG-Tagung in Berlin war, habe ich mich auch mehr mit dem Fach beschäftigt und damit, was es für Dermatologen bedeutet, ihr Fach auszuüben. Das war schon spannend, einen kleinen Einblick in die Welt eines Mediziners zu bekommen. Fast habe ich es bereut nicht Medizin studiert zu haben. Auch sind alle Dermatologen die ich da kennengelernt habe, so unglaublich nett. Das war mir am Anfang fast ein wenig suspekt. :)  

JuDerm: Und bei Dir Christoph? From zero to hero? Oder ist unser allgemeines Image gar nicht so langweilig wie befürchtet? 
Christoph: Auf jeden Fall weiss ich, dass Dermatologen irre Dinge unter dem Mikroskop entdecken können. Eine befreundete Dermatologin vergrößert regelmässig beeindruckende Bilder unterschiedlichster Hautstrukturen in allen Farben des Regenbogens.

JuDerm: Wir sind ein buntes Trüppchen, nehmen nicht immer alles bierernst, wie man an Lukas’ Geschichte zur Dermatologie erkennen kann... - Hand aufs Herz, Elisabeth - wie war die Zusammenarbeit mit dem Team? 
Elisabeth: Der Dreh hat unglaublichen Spass gemacht! Es fing schon mit der eisigkalten Anfahrt mit dem Rad in der Morgenfrühe an - es gibt nichts Besseres, als wach zu werden durch die kalte Luft beim Fahrradfahren, da ist bei mir die gute Laune garantiert! Dann wurde ich - das ist immer schön beim Drehen, erstmal einfach im Stuhl zu sitzen und an sich machen zu lassen - vom Maskenbildner verwandelt, und nicht zu knapp für diese Rolle!
Und dann ging's ruckzuck. Der Set war wunderbar schummrig und gruslig hergerichtet, so dass es leicht war, in Stimmung zu kommen, Lukas wusste genau, was er wollte - und mir hat es Spass gemacht, 'dem Affen Zucker zu geben'. Selten spiele ich sowas Überkandideltes wie die Madame Loela, wie die Wahrsagerin im Drehbuch hieß.

JuDerm: Wir hatten als absolute Laien zu Beginn so unsere Ideen, Wünsche und Vorstellungen a la Hollywood und Du, Lukas, musstest uns das ein oder andere Mal auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Ist das oft das Los des Regisseurs - Illusionen nehmen, weil Budget und Möglichkeiten da einfach nicht mitkommen? 
Lukas: Das Filmgeschäft hat viele Facetten, die einem als Laie nicht bewusst sind. Wie auch? Meistens geht es ja beim Film genau darum, alles elegant zu kaschieren, was auf die Machart und Entstehung schließen lässt. Es kommt schon manchmal vor, dass ein Kunde sich etwas wünscht und dann schockiert ist, wie viel so etwas kosten kann. Ich hatte ja die große Freude, zusammen mit Frank Hoffmann von der Produktionsfirma Mutter&Vater zusammenzuarbeiten, der die Verhandlungen um das Budget übernommen hat, sodass ich mich auf das Kreative konzentrieren konnte. Dafür ist ein Produzent unter anderem da.

JuDerm: „Christoph Schlemmer“ - Man kennt Dich durchaus auch aus größeren Produktionen - wo ordnest Du so einen kleinen Imagefilm für Dich ein - business as usual oder Abwechslung von TV- und Theater-Alltag? 
Christoph: Mit den inspirierenden Kollegen vor und hinter der Kamera war auch so ein "kleiner" Film eine absolut bereichernde Erfahrung. Teamarbeit auf hohem und effektivem Niveau ist selten und macht einfach Spass!

JuDerm: War das eigentlich Deine erste „Arzt-Rolle“? Hast Du auch Lieblingsrollen oder Figuren? Christoph: Soweit ich mich erinnere war das hier meine zweite Arztrolle. Die erste war "Dr. Asmon" in der Notaufnahme vom "Polizeiruf" beim MDR. Ich spiele alles. Freude macht mir, in ernsten Rollen das Komische zu entdecken und in komischen Rollen die Tragik einer Figur. Eine eigene Serie mit Humor im Stile der "Golden Girls" wär schon mal was Tolles. Wahrscheinlich muss ich dafür (noch) älter werden!

JuDerm: Was sind so Eure anstehenden Projekte, wann kann man mal wieder was von unserem „Derma-Schlemmer“, einer gar nicht überkandidelten Elisabeth und von unserem kochenden Regisseur (Anm. d. Redaktion: Leute, der Lukas kann kochen… !!) sehen? 
Lukas: Ich habe mehrere persönliche Projekte, die ich in diesem Jahr realisieren möchte. Ich hoffe natürlich, dass ich weiterhin auch mit Christoph zusammen arbeiten kann, denn das hat wirklich Spaß gemacht! Mal sehen, was die Arbeit mit sich bringt! :)   
Christoph: Mein Steuerberater und ich schreiben weiter neue Songs (unser Lied "Öffne Dein Herz" läuft bereits im Belgischen Radio ). Ab September kommt mein Arthouse Film ROSA ("Tau") in die Kinos. Als irisch-deutscher Agent suche ich in Sarajevo nach Kriegsverbrechern. Ausserdem schreibe ich an einer neuen Soloshow und wenn alles klappt, bin ich ab Herbst mit dem Stück "Terror" von Ferndinand von Schirach auf Deutschland-Tournee. Zudem wollen Lukas und ich auf jeden Fall wieder zusammen arbeiten!
Elisabeth: 
Das letzte, was es zu sehen gab von mir, war ein Schweizer Film mit dem Titel 'Lina' - diese Figur Lina war so ungefähr das Gegensätzlichste zu Madame Loela, was man sich vorstellen kann. Der Film wurde in Schweizer Dialekt gedreht (ich bin Schweizerin) - also kaum zu verstehen für deutsche Zuschauer...und wo man mich als nächstes sehen wird, steht noch in den Sternen. 
 

Elisabeth Niederer, Jahrgang 1960 ist Film- und Theaterschauspielerin. Die gebürtige Schweizerin absolvierte ihre Ausbildung von 1979 - 1983 an der HdK in Berlin, wo sie heute auch lebt. Das deutsche Publikum kennt sie neben vielen Theaterrollen auch aus bekannten Serien wie "Tatort", "Samt und Seide" oder "SOKO5113".
 

Christoph Schlemmer, Jahrgang 1970 ist ein deutscher Schauspieler, Autor und Komiker. Er ist aus deutschen Fernsehfilmen und Serien bekannt und gab 2004 sein Kinodebüt in dem Independent-Film "My german boyfriend".



Lukas Kuhne, Jahrgang 1988 ist ein Regisseur und Drehbuchautor aus Berlin. Lukas studierte an der South African School of Motion Picture Live Recording and Live Performance in Kapstadt. Seitdem realisierte er mehrere Projekte in Südafrika und Deutschland.

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