Unsere Kampagne "Lass Dich nieder!

Niederkommen oder Niederlassen?

Mit dieser provokanten Frage konfrontierten die „Jungen Dermatologen“ Mitte 2014 ihren medizinischen Nachwuchs. In der Kampagne ging es um die Vorteile der Niederlassung als Dermatologe.

Kind oder Karriere, Leben oder arbeiten – als Arzt oder werdender Arzt macht man sich diese Gedanken früh. „Dabei geht beides!“ stellte Dr. T. Bandholz, Vorstandsmitglied des BVDD beim Start der Kampagne klar. „Gerade in der Dermatologie lässt sich vieles gut planen. Es gibt nicht diese klassischen Notfälle, wie etwa in der Unfallchirurgie oder plötzliche Einsätze am Sonntagvormittag, wie in der Geburtshilfe. Nacht- und Bereitschaftsdienste sind einfach nicht die Regel.“ Und noch mehr Vorteile einer Niederlassung gegenüber dem Angestelltenverhältnis in einer Klinik wollten wir mit unserer Kampagne herausstellen. So findet man auf www.juderm.de Best-Practice-Beispiele in Form von Interviews, in denen jede erdenkliche Form der Niederlassung und der jeweilige Weg dorthin beschrieben wird. Regelmäßige Diagnosequizze, unser geplanter Imagefilm und ständige Rubriken wie Buchbesprechungen runden das Webangebot für die interessierten Besucher ab und zeigen, wie spannend die Dermatologie grundsätzlich sein kann.

Wichtig war uns dabei, Vorurteile und Klischees aus dem Weg zu räumen. Oft ist es die Angst vor dem Ungewissen, kombiniert mit dem Wunsch, eine Familie zu gründen, die vor allem junge Frauen davon abhält, den Schritt in die Niederlassung zu wagen. Dabei gibt es gerade in der Dermatologie Modelle, wie z. B. das von Dr. Heinke Hardung aus Kiel, die sich per Jobsharing die Arbeit in ihrer Praxis mit einer jungen Kollegin teilt. Die 60-jährige Medizinerin engagiert sich stark in caritativen Projekten und möchte daher nur in Teilzeit arbeiten, ihre Praxis-Partnerin hat Familie und dadurch ebenfalls Interesse an einer halben Stelle. So haben sich die beiden Ärztinnen in einer absoluten Win-Win-Situation wiedergefunden, denn die Dermatologie ist spannend, auch ganz ohne actiongeladene Szenen wie aus bekannten TV-Sendungen, die beispielsweise in der Chirurgie spielen.

Auch andere Modelle haben wir lebendig in kurzen Interviews portraitiert und ein Mentorenprogramm zur Unterstützung für den Schritt in die Niederlassung rundet die Offensive der „JuDerm-ler“ ab.

Das Problem, vor allem in ländlichen Gebieten die medizinische Versorgung sicherzustellen, besteht nicht erst seit gestern. Auch in anderen Fachrichtungen, vor allem in der Allgemeinmedizin, also beim klassischen „Landarzt“, herrscht großer Mangel. Die „Jungen Dermatologen“ ziehen hier am selben Strang wie viele andere medizinische Berufsverbände, KVen und auch das Bundesministerium. Attraktive Stipendien, mietfreies Wohnen, Jobangebote für den Ehepartner sind nur einige der Maßnahmen, die sich beispielsweise die Gemeinden in ländlichen Gegenden haben einfallen lassen, um mehr Mediziner für eine Niederlassung vor allem auf dem Land zu begeistern. „Ich halte von mehreren selbständigen Ärzten geführte MVZ (Medizinische Versorgungszentren) für am sinnvollsten. In Verbindung mit einer Belegklinik kann man so am besten auch die ländliche Versorgung ambulant wie stationär sicherstellen“, äußert sich Prof. Dr. Dr. R. Peter über die aktuelle Situation in einem weiteren Interview im Rahmen der Kampagne. Der Drang zur Industrialisierung der Medizin erinnere ihn an die Fehler, die auf ähnliche Weise bereits in der Landwirtschaft gemacht wurden. Seine Vision sei der „medizinische Manufakturbetrieb“: kleine, dezentrale Versorgungszentren, vorzugsweise unter ärztlicher Leitung.

Wir, die „Jungen Dermatologen“ haben den Kampf aufgenommen, mit einem weiteren Slogan unserer Kampagne machten wir dies deutlich: „Praxis? Praktisch!“.

Interviews:

>> Prof. Dr. Dr. Ralf U. Peter 

>> Dr. Barbara Schubert

>> Dr. Heinke Hardung

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