Histologie und klinischer Verlauf
Die histopathologische Untersuchung mit Hämatoxylin-Eosin-Färbung ergab eine impetiginisierte Ulzeration und eine suppurativ-granulomatöse Entzündungsreaktion aus epitheloiden Histiozyten und neutrophilen Granulozyten, was auf eine infektiöse Genese hinwies (Abbildung 1c). In der Ziehl-Neelsen- sowie der Fite-Faraco-Färbung konnten zahlreiche säurefeste Stäbchen (SFS) nachgewiesen werden (Abbildung 2). Die Diagnose einer nichttuberkulösen (atypischen) Mykobakteriose wurde mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) sowie mykobakterieller Kultur bestätigt; als Erreger konnte Mycobacterium (M.) marinum identifiziert werden. Nachträglich berichtete die Patientin über den Besitz eines Aquariums, welches als mögliche Infektionsquelle infrage kommt.
Aufgrund des ausgeprägten Hautbefundes erhielt die Patientin eine Dreifachtherapie, bestehend aus Clarithromycin (500 mg zweimal täglich), Rifampicin (10 mg/kg Körpergewicht) und Ethambutol (15 mg/kg Körpergewicht). Innerhalb von vier Wochen kam es zu einem Sistieren der Neubildung von Läsionen und einer vollständigen Abheilung der bestehenden Hautveränderungen (Abbildung 3). Die Patientin entwickelte jedoch im weiteren Verlauf eine atypische Pneumonie sowie eine fungale Sepsis durch Candida albicans mit letalem Ausgang.
Diskussion
Nichttuberkulöse Mykobakterien (NTM) umfassen etwa 200 Arten, die in verschiedenen ökologischen Nischen wie Boden- und Wasserhabitaten vorkommen.1, 2 Während die meisten dieser Spezies saprophytär oder opportunistisch pathogen für die Menschen sind, handelt es sich bei M. marinum um eine strikt pathogene, langsam wachsende Spezies, die Süß- und Meerwasserreservoirs, Aquarien sowie Schwimmbecken besiedelt.3 DiekutaneInfektion mit M. marinum, die auch als Schwimmbadgranulom oder Aquariengranulom bezeichnet wird, stellt die häufigste Form einer Hautinfektion durch NTM dar und wird typischerweise durch Kontakt von Wunden oder Haut-läsionen mit kontaminiertem Wasser übertragen.4, 5 Das klinische Bild reicht von solitären oder multiplen papulonodulären Läsionen bis hin zu ulzerierten oder verrukösen Plaques mit sporotrichoider Ausbreitung, die meist auf die Extremitäten begrenzt sind.6, 7 Die akrale Prädilektion der Läsionen kann auf die optimale Wachstumstemperatur von M. marinum bei 30–32◦C zurückgeführt werden und liefert einen wichtigen diagnostischen Hinweis auf eine zugrundeliegende NTM-Infektion.
Disseminierte Infektionen treten überwiegend bei immunsupprimierten Patienten auf.6, 7 Dies steht im Einklang mit dem im vorliegenden Fall beobachteten, erregerreichen Hautbefund, wie er in der Ziehl-Neelsen und Fite-Faraco-Färbung dargestellt wurde. Hingegen wurde in früheren Studien eine vergleichsweise geringe Nachweisrate von SFS von etwa 15% mittels Spezialfärbungen berichtet.7,8 Daher bleibt die mykobakterielle Kultur der diagnostische Goldstandard bei NTM- Infektionen und kann durch molekulare Verfahren wie die PCR ergänzt werden.3, 7 Obwohl im vorliegenden Fall zuvor bereits mehrfach Hautbiopsien entnommen wurden, konnte über einen Zeitraum von über sechs Monaten keine spezifische Diagnose gestellt werden. Erwähnenswert ist, dass die Patientin vor der endgültigen Diagnosestellung bei Verdacht auf eine reaktiv perforierende Kollagenose mit topischen Kortikosteroiden sowie oralem Allopurinol behandelt worden war, ohne dass eine klinische Besserung eintrat. Darüber hinaus ist eine standardisierte Diagnostik bei NTM-Infektionen von entscheidender Bedeutung. In diesem Zusammenhang wird empfohlen, drei ausreichend große Probebiopsien (z. B. 6 mm) jeweils für die histopathologische Untersuchung, die PCR-Analyse sowie die mykobakterielle Kultur zu entnehmen.9 Deshalb ist es essenziell, dass Kliniker und Pathologen auf charakteristische Hinweise wie Immunsuppression, akrales Verteilungsmuster und das Vorliegen suppurativer Granulome achten, um die weiterführende Diagnostik frühzeitig initiieren zu können.
Bislang existiert kein standardisiertes Therapieprotokoll für Infektionen mit M. marinum, was auf das Fehlen randomisierter kontrollierter Studien zurückzuführen ist.7, 10 In der Praxis werden bei immunkompetenten Patienten häufig Tetrazykline oder Clarithromycin eingesetzt, während bei immunsupprimierten Patienten oder ausgedehntem Befall eine Kombinationstherapie, beispielsweise mit Clarithromycin, Rifampicin und Ethambutol, erforderlich ist.7, 10
Als aufkommende Erreger stellen NTM sowohl in Industrienationen als auch in Entwicklungsländern eine zunehmende klinische Herausforderung dar, die durch die alternde Bevölkerung, verstärkte Immunsuppressio und die Entwicklung resistenter Stämme verschärft wird.1 Daher ist die Kenntnis der klinischen und histopathologischen Merkmale von NTM entscheidend, um eine frühzeitige Diagnose und Therapie zu ermöglichen und systemischen und potenziell tödlichen Komplikationen vorzubeugen.
Interessenkonflikt
Keiner.
Literatur
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116656.
Kaan Yilmaz1 , Viola Pflüger1 , Cyrill Géraud1, 2, 3
1 Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universitätsmedizin Mannheim und Medizinische Fakultät Mannheim, Universität Heidelberg, Mannheim
2 Sektion für Klinische und Molekulare Dermatologie, Medizinische Fakultät Mannheim, Universität Heidelberg, Mannheim
3 Europäisches Zentrum für Gefäßforschung (ECAS), Medizinische Fakultät Mannheim, Universität Heidelberg, Mannheim
Die Diagnosequizze werden uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom "Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft" © Deutsche Dermatologische Gesellschaft