Wie man trotz Sonnenallergie, Heuschnupfen oder Neurodermitis gut durch den Frühling kommt. Den Frühling hautfreundlich genießen!

Frühling & Haut: Endlich Sonne, Vogelgezwitscher und draußen sein – einfach schön! Aber: Pollen und der erhöhte UV-Index können unsere Haut ganz schön stressen. Ich erkläre, wie ihr Heuschnupfen, Sonnenallergie & Lichtempfindlichkeit clever mit passender Pflege und Sonnenschutz meistert und den Frühling entspannt und hautfreundlich genießen könnt.

Zum Glück steht der Frühling vor der Tür! Ich freue mich sehr auf die längeren Tage, weniger Regen und mehr Zeit draußen. Vogelgezwitscher, die Menschen haben gute Laune - es ist eine wunderbare Jahreszeit. 

Aber für manche Menschen, gerade Pollenallergiker, ist der Frühling nicht nur schön, sondern auch mit Beschwerden verbunden. Schon ab Ende Januar startet für manche die Allergiesaison einhergehend mit laufender Nase, tränenden Augen und in seltenen Fällen allergischem Asthma. Auch bei der Atopischen Dermatitis können durch die Pollenexposition vermehrt Schübe auftreten, da Pollen die ohnehin geschwächte Hautbarriere zusätzlich reizen. Patienten mit Polymorpher Lichtdermatose (umgangssprachlich: Sonnenallergie) reagieren hingegen besonders zu Beginn der warmen Jahreszeit auf den erhöhten UV-Index mit juckenden und brennenden Hautveränderungen. 

 

Und selbst wenn man keine der genannten Beschwerden hat, lohnt es sich, die Hautpflege-Routine an die erhöhten Temperaturen und die zunehmende Sonneneinstrahlung anzupassen. Beispielsweise hochkonzentrierte Retinoide können die Lichtempfindlichkeit der Haut steigern, was insbesondere bei dem im Frühling zunehmenden UV-Index kontraproduktiv sein kann. Auch hat die Haut im Frühling andere Bedürfnisse als im Winter und demnach sollte man seine Hautpflege verändern.  

Wie ihr seht, bringt der Frühling einige dermatologische Herausforderungen mit sich – dazu gleich mehr. 

 

Pollinose 

Der Frühling ist für viele ein Garant für gute Laune, für manche andere aber auch ein Garant für eine laufende Nase - rund 15 Prozent der Deutschen leiden unter einer Pollinose.1 

Klassisch für den sogenannten Heuschnupfen ist die Rhinokonjunktivitis mit laufender Nase und tränenden bzw. brennenden Augen. Therapeutisch empfiehlt sich hier folgende symptomatische Therapie:2 

  • Intranasale Kortikosteroid-Sprays bei moderater bis schwerer Rhinitis 

  • Antihistaminika-Augentropfen gegen juckende, tränende Augen 

  • Orale Antihistaminika (zweite Generation) bei Bedarf 

Bei therapierefraktären Beschwerden oder stark belastender Symptomatik kann die spezifische Immuntherapie (SCIT oder SLIT) eine wirksame und langfristige Option sein.2 Sie ist auch die einzige kausale Behandlung des Heuschnupfens. Die sogenannte Hyposensibilisierung wirkt, indem sie das Immunsystem trainiert, nicht mehr übermäßig auf die entsprechenden Allergene zu reagieren und kann so eine deutliche Besserung der Beschwerden herbeiführen. Hier ist jedoch gutes Durchhaltevermögen gefordert: Zwar zeigen sich die ersten Effekte schon nach einem Behandlungszyklus, die volle und dauerhafte Wirkung tritt aber meist erst nach der kontinuierlichen Behandlung nach mehreren Jahren ein.2 

 

Neurodermitis/Atopische Dermatitis 

Bei Menschen mit Neurodermitis ist die Hautbarriere häufig geschwächt – zum Beispiel durch genetische Faktoren wie Filaggrin-Mutationen.3 Die Haut ist dadurch trockener und durchlässiger, sodass Pollen und andere Umweltallergene leichter in die Haut eindringen und Entzündungen auslösen können. Viele Betroffene berichten besonders im Frühjahr (z. B. bei Birkenpollen) oder Sommer (Gräserpollen) über vermehrte Schübe.  

Im Frühling ist es für Neurodermitiker deshalb besonders wichtig, die Hautbarriere zu stärken. Eine zweimal tägliche gut rückfettende Basispflege ist dabei in allen Jahreszeiten sinnvoll. Ein besonderer Tipp für den Frühling: vor dem Eincremen die Hände waschen! Und beim Nachhausekommen die Kleidung wechseln, die draußen getragen wurde – so werden Pollen von der Haut ferngehalten und Schübe können reduziert werden. 

Wenn Neurodermitis-Schübe gehäuft in der Pollensaison auftreten, kann eine weiterführende allergologische Diagnostik sinnvoll sein. Wenn eine Sensibilisierung auf Pollen oder andere Allergene und eine entsprechende Klinik vorliegt, kommt dann eine präsaisonale Hyposensibilisierung (SCIT oder SLIT) in Betracht.4 Auch Biologika wie Dupilumab stellen bei der therapierefraktären Neurodermitis nach Ausschöpfung topischer Maßnahmen eine wirksame und meist gut verträgliche Option dar.4 

Die zunehmende UV-Strahlung im Sommer hat jedoch nicht nur negative Effekte: In moderaten Mengen kann sie die Neurodermitis sogar verbessern, da sie die Überaktivität von T-Zellen in der Haut hemmt. Dieser Effekt wird auch therapeutisch genutzt: In der Dermatologie kommt die gezielte Phototherapie beispielsweise bei Neurodermitis4 und Psoriasis5 zum Einsatz. Beim Lupus erythematodes, einer wichtigen Differentialdiagnose, kann UV-Licht die Erkrankung hingegen verschlechtern.6  

 

Urtikaria  

Die Chronisch Spontane Urtikaria kann sich ebenfalls im Frühling durch die Einwirkung von Pollen verschlechtern. Bei dieser Erkrankung sind Antihistaminika der zweiten Generation die erste Wahl und können bei Bedarf leitliniengerecht bis zur vierfachen Dosis gesteigert werden.7 Bei fehlendem Ansprechen über mehrere Wochen kann der IgE-Antikörper Omalizumab eine Option sein.7  

Ziel der Therapie ist eine vollständige Symptomkontrolle, also weder Juckreiz noch Quaddeln. Ein Urtikaria-Tagebuch, in dem Zeitpunkt, Intensität der Beschwerden und mögliche Trigger notiert werden, kann bei der Diagnostik und weiteren Therapieplanung hilfreich sein.  

 

Sonnenallergie  

Meist wird unter dem Begriff „Sonnenallergie“ die Polymorphe Lichtdermatose (PLD) verstanden – das ist eine allergisch-entzündliche Reaktion der Haut auf UV-Strahlung. Sie tritt meist bei hellen Hauttypen im Frühjahr oder Frühsommer auf, gerade wenn die Haut durch den Winter lange Zeit bedeckt war und noch nicht auf den erhöhten UV-Index vorbereitet ist. Die PLD zeigt sich als juckende Papeln, Plaques oder Bläschen, meist im Dekolleté und an den Streckseiten der Arme und Beine. Oft tritt ein Hardening-Effekt im Verlauf des Sommers auf und die Dermatose ist dadurch spontan regredient.8 

Die genauen Mechanismen der Polymorphen Lichtdermatose sind noch nicht vollständig verstanden. Vermutlich handelt es sich um eine fehlgeleitete Immunreaktion auf UV-veränderte Hautbestandteile.8 

Therapeutisch ist bei der PLD konsequenter Sonnenschutz entscheiden, am besten mit UV-undurchlässiger Kleidung, aber auch mit speziell für Sonnenallergie geeigneten Sonnenschutzmitteln 50+. Bei einem akuten Schub helfen kühlende Umschläge und niedrigpotente topische Steroide.8 

Ich persönlich habe auch seit vielen Jahren eine Sonnenallergie, meine erste Erfahrung mit der PLD war als Teenagerin im Urlaub mit der Familie meiner besten Freundin. Es war das perfekte Rezept dafür, denn es war auf Mallorca - und natürlich im Juli! Zusätzlich waren wir oft in der Mittagssonne schwimmen. 

Sowas würde ich heute selbst verständlicherweise nicht mehr machen, allein beim Gedanken an den dort herrschenden UV-Index gruselt es mich. Aber damals war ich leider noch dermatologisch gänzlich unbedarft und so etwas wie UV-Index stellte für mich ein Fremdwort dar.  

Nach dem ersten Tag am Strand brannte plötzlich meine Haut und es bildeten sich Urtikaria und Papeln im Dekolleté, an den Füßen und Oberschenkeln. Genau wie aus dem Lehrbuch! Nur hatte ich damals meine Nase noch in kein Derma-Lehrbuch gesteckt und wusste natürlich nicht, was das ist.  

Ich hielt es zunächst für Sonnenbrand, aber es sah anders aus und juckte deutlich stärker. Jeden Tag traten die Hautveränderungen erneut auf – deshalb gab es für mich nur die zwei Optionen: entweder blieb ich im Hotelzimmer und langweilte mich oder ich ging nach draußen in die Sonne und hatte juckende, brennende Haut. 

Die Mutter meiner Freundin meinte irgendwann ganz nebenbei: „Ich glaube, das ist eine Sonnenallergie – eine Bekannte von mir kann deshalb nur noch im Neoprenanzug ins Meer gehen.“ Mein fünfzehnjähriges Ich war schockiert. In meiner Vorstellung bedeutete das: nie wieder Bikini, nur noch Taucheranzug am Strand. 

Tatsächlich trage ich jetzt beim Schwimmen immer Sonnenschutzkleidung, die einem Neoprenanzug schon ziemlich ähnlich aussieht. Mein damaliges Ich wäre empört! Heute mache ich das nicht nur wegen der Sonnenallergie, sondern auch, weil ich beim Schnorcheln meine Haut vor Lichtschäden schützen möchte. 

Mein persönliches Urlaubsziel: Nicht braun werden. Wenn jemand nach der Reise kommentiert „Du bist ja gar nicht braun geworden“, ist das für mich fast wie der Schlag zum Ritter. Lichtschutz gehört schließlich zu den wirksamsten Well-Aging-Maßnahmen. 

Da aber nicht alle unsere Patienten Neopren-Anzüge tragen möchten, muss eine andere Lösung her: 

  

1. Mindestens ein UV-Shirt beim Baden -besonders sinnvoll, da die PLD häufig im Dekolleté auftritt. 

2. Geeigneter Sonnenschutz (SPF 50+) – großzügig auftragen und alle zwei Stunden sowie nach Wasserkontakt erneuern. Spezielle Produkte für Sonnenallergie sind oft besonders gut verträglich. 

3. Auf den UV-Index achten. Bitte nicht (wie ich damals auf Mallorca) in der Mittagssonne schwimmen gehen. Meistens ist UV-Index von 12-16 Uhr am höchsten, das kann man aber jederzeit in der Wetter-App überprüfen. 

4. UV-Hardening. Wenn man weiß, dass die eigene Haut empfindlich auf Sonne reagiert und man bald in den dreiwöchigen Sonne-Sommer-Strand-Urlaub fliegt, kann man seine Haut und die Stellen, bei denen die PLD auftritt, für ein paar Wochen graduell der Sonne aussetzen. Mit Sonnenschutz natürlich! So hat man die Haut schon mal etwas an die UV-Strahlen gewöhnt und im Urlaub ist es dann meistens weniger schlimm. Das bieten auch einige dermatologische Praxen an, auf dem Balkon geht’s aber auch.  

5. Bei akutem Schub: Milde topische Steroide oder Calcineurin-Inhibitoren, beruhigende Cremes (z. B. mit Panthenol oder Aloe Vera) und kühlende Umschläge können die Symptome lindern. 

 

Hautpflege im Frühling: Was braucht die Haut jetzt? 

Mein Tipp: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die Winterpflege anzupassen. Im Winter herrschen andere Bedingungen: die trockene Heizungsluft drinnen und die kalte Luft draußen greifen unsere Haut an und trocknen sie aus. Im Winter braucht die Haut meist stärker rückfettende Cremes. Im Frühling/Sommer hingegen fallen diese Faktoren weg und es kommen andere dazu: Man schwitzt mehr und die Haut produziert durch die höhere UV-Exposition mehr Talg.  

Das kann bestehende Akne, Rosazea und periorale Dermatitis verschlimmern oder neu entstehen lassen. Deshalb ist jetzt eine leichte nicht-komedogene Feuchtigkeitspflege angesagt. Und: Sonnenschutz war schon immer wichtig, aber jetzt ist er Pflicht, täglich LSF 50+ am besten mit hohem UVA-Schutz (erkennbar an PA+++). 

Besonders relevant ist das bei Rosazea, Sonnenallergie, dem kosmetischen Gebrauch von Säuren und Retinoiden und der Neigung zur Hyperpigmentierung. Denkt auch an eure Hände, Ohren, Dekolleté und Lippen (Labello oder auch Lipgloss mit LSF). Und ja, das gilt auch, wenn man den ganzen Tag nur im Büro verbringt, im Flugzeug nach Mallorca sitzt oder bei Autofahrten. UVB wird zwar durch Fenster weitestgehend geblockt und man bekommt keinen Sonnenbrand, die ebenso schädliche UVA-Strahlung kommt jedoch durch die meisten Fensterscheiben durch.  

Weiterhin ist es sinnvoll, mehr mit Säuren und Retinoiden aufzupassen bzw. sie zu pausieren. Besonders direkt vor dem Sommerurlaub. Denn beide Wirkstoffe können - gerade bei hoher Dosis - lichtempfindlicher machen und durch die im Sommer erhöhte Sonnenstrahlung das Risiko für Hyperpigmentierungen steigern. Gleiches gilt für Laserbehandlungen, chemische Peelings, Mikroneedling, IPL, Haarentfernungslaser.   

 

Fazit: 

Der Frühling ist schön, aber für unsere Haut manchmal eine Herausforderung. Wir als Dermatologen können unsere Patienten gut unterstützen und spielen eine zentrale Rolle dafür, dass sie den Frühling, so gut es geht, beschwerdefrei erleben können. Denn er macht viel mehr Spaß, wenn nicht ständig die Nase läuft oder die Haut juckt und brennt.  

 

Key-Take-Aways:  

1. LSF 50+ jeden Tag im Gesicht. Bitte auch nicht stiefmütterlich behandeln: Hände, Dekolleté, Ohren, Lippen (LSF-Labello oder LSF-Lipgloss retten den Tag!)  

2. Gute Basispflege 2x täglich bei Neurodermitis (davor Hände waschen wegen möglicher Pollen)  

3. Bei chronisch spontaner Urtikaria: Labormedizinische und evtl. allergologische Diagnostik sind sinnvoll. Meist hilft die 4-fach Dosis (off-label) Antihistaminika der 2. Generation; bei therapierefraktärer chronischer Urtikaria Omalizumab erwägen. 

4. Sonnenallergie/Polymorphe Lichtdermatose: Oft spontan regredient im Sommer durch UV-Hardening, guter textiler und chemischer/mineralischer Sonnenschutz, topische Kortikosteroide, beruhigende Cremes, kühlende Umschläge. 

5. Unsere Haut braucht im Sommer weniger Fett und mehr Feuchtigkeit, deshalb auf nicht-komedogene leichte Feuchtigkeitscremes umsteigen. Retinoide und Säuren vorsichtig verwenden, da sie die Lichtempfindlichkeit steigern können. 

 

Und jetzt genießt das Vogelzwitschern und die warmen Sonnenstrahlen! 

Eure Constanze (noch nicht im Neopren-Anzug)  

 

Quellen: 

1. European Centre for Allergy Research Foundation (ECARF). Pollen Allergy. ECARF. July 2016. Accessed February 22, 2026. www.ecarf.org/en/information-portal/allergies-overview/pollen-allergy/ 

2. Klimek L, Bachert C, Pfaar O, et al. ARIA guideline 2019: treatment of allergic rhinitis in the German health system. Allergo J Int. 2019;28(7):255-276. doi:10.1007/s40629-019-00110-9 

3. Irvine AD, Irwin McLean WH. Breaking the (Un)Sound Barrier: Filaggrin Is a Major Gene for Atopic Dermatitis. J Invest Dermatol. 2006;126(6):1200-1202. doi:10.1038/sj.jid.5700365 

4. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). S3-Leitlinie Atopische Dermatitis (AD) / Neurodermitis / Atopisches Ekzem. 2024. Accessed March 6, 2026. register.awmf.org/assets/guidelines/013-027l_S3_Atopische-Dermatitis-AD-Neurodermitis-atopisches-Ekzem_2024-01.pdf 

5. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). S3-Leitlinie Therapie Der Psoriasis Vulgaris. 2025. Accessed March 6, 2026. register.awmf.org/assets/guidelines/013-001l_S3_Therapie-Psoriasis-vulgaris_2026-02.pdf 

6. Photosensitivity in cutaneous lupus erythematosus - Kim - 2013 - Photodermatology, Photoimmunology & Photomedicine - Wiley Online Library. Accessed March 6, 2026. onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/phpp.12018 

7. Zuberbier T, Altrichter S, Bauer S, et al. S3-Leitlinie: Klassifikation, Diagnostik und Therapie der Urtikaria. Allergologie. 2023;46(01):9-40. doi:10.5414/ALX02383 

8. Immunopathogenesis of polymorphic light eruption, role of cytokines, effector and regulatory T-cells and its therapeutic implications - Indian Journal of Dermatology, Venereology and Leprology. Accessed March 6, 2026. ijdvl.com/immunopathogenesis-of-polymorphic-light-eruption-role-of-cytokines-effector-and-regulatory-t-cells-and-its-therapeutic-implications/