Warum nichts lief wie geplant – und alles richtig war Der erste aller Tage: Chaos, Zweifel und Glück

Der erste Tag in der eigenen Praxis – ein Moment, auf den man lange hinarbeitet. Und dann kommt er… und läuft ganz anders als geplant. Zwischen fehlender Ausstattung, spontanen Planänderungen und einem überraschend emotionalen Abend wurde mir klar, worauf es wirklich ankommt. Ein ehrlicher Einblick in meinen allerersten Praxistag.

Der erste Tag in der eigenen Praxis.

Man stellt ihn sich vorher oft ganz genau vor: Ruhig, strukturiert, vielleicht sogar ein bisschen feierlich.

Spoiler: War er nicht.

 

Der perfekte Plan – und die Realität

Eigentlich hatte ich alles vorbereitet.
Drei bis vier Patienten eingeplant (das hatte ich meinem engagierten Marketing zu verdanken, ich habe euch davon erzählt). Ein toller Start! Dann kam die Realität.

Meine einzige Mitarbeiterin war im lange geplanten (Rest-)Urlaub.
Und zwar nicht „mal eben erreichbar“, sondern in einem anderen Bundesland und nicht zu verschieben. Und als ob das nicht genug wäre: Mein Dermatoskop und mit ihm mein Automatic Total Body Mapping System (ATBM) wurden… am ersten Tag geliefert. Es ging nicht früher.

Kein Dermatoskop.
Keine Mitarbeiterin.

Ich habe also direkt an meinem allerersten Praxistag alle Patienten wieder verschoben.

Flexibilität: Level 1 bestanden.

 

8:15 Uhr – und der Tag eskaliert

Mein Plan war eigentlich, um 9 Uhr entspannt in der Praxis zu sein.

Um 8:15 Uhr stand ich mit nassen Haaren im Bad, als mein Telefon klingelte.

„Hallo, ich bin da, um die OP-Lampe zu montieren.“

Hoppla. Das hatte ich komplett vergessen.

Also: Halb fertig gemacht ins Auto gesprungen und direkt ab in die Praxis gerast.

So begann mein erster Tag: Also eigentlich wie immer, nur noch ein bisschen schlimmer.

 

Baustelle Praxis

Als ich ankam, war die Praxis alles, nur nicht ruhig und leer: Da waren Techniker, Elektriker, Installateure und mittendrin das Team für die ATBM-Einweisung.

Ich hatte so viel Druck gemacht, dass das Gerät überhaupt rechtzeitig kommt – und dann standen da (wahrscheinlich deshalb) zwei Menschen, die offensichtlich selbst noch nicht ganz sicher waren, wie das Gerät funktioniert. Nach zwei Stunden Einweisung war ich ehrlich gesagt nicht wesentlich schlauer. Und das will was heißen. Mittags war ich einfach nur verwirrt.

 

Verstärkung – mit ähnlichem Ergebnis

Irgendwann kam meine Mitarbeiterin doch noch. Sie hatte extra ihr Urlaubsende einen halben Tag vorgezogen, um zumindest ein paar Stunden dabei zu sein, um zu erfahren, wie unsere wichtigste Anschaffung denn nun funktioniert. Loyalitätsprüfung bestanden.

Was sie verpasst hat?
Nichts.

Was sie mitgenommen hat?
Die gleiche Verwirrung wie ich.

Teamgefühl: direkt aufgebaut.

 

Und dann: Tag der offenen Tür

Als wäre das alles nicht genug, hatte ich mir für diesen Tag auch noch komplett übermütig meinen „Tag der offenen Tür“ gelegt.

Rückblickend kann man sich schon fragen, warum? In dem Moment habe ich mich das auch gefragt. Aber ich habe es einfach durchgezogen, so wie ich bin:
Nicht perfekt vorbereitet, aber offen, neugierig und einfach da.

 

Wenige Menschen – große Wirkung

Es war Ferienzeit, es kamen nicht viele. Drei. Aber die sind mir nach sehr netten, echten, ungehetzten Begegnungen und Gesprächen auch als Patienten geblieben.

Und genau das ist es am Anfang: Qualität vor Quantität.

Zusätzlich sind immer wieder Leute aus dem Haus vorbeigekommen:
Andere Ärzte, neugierige Patienten der anderen Spezialisierungen im Haus, spontane Gespräche.

Ich konnte meine Praxis zeigen, mich vorstellen, erste Kontakte knüpfen und meine Flexibilität prüfen. Und ganz nebenbei sind direkt am ersten Tag neue Patienten entstanden.

 

Der Moment danach

Irgendwann war dann alles getan. Die Tür war zu, ich war wieder alleine und es war ruhig.

Ich stand in meiner eigenen (!) Praxis und habe mich umgeschaut.

Und plötzlich war da kein Chaos mehr, sondern einfach nur ein Gefühl: Ich habe das wirklich gemacht!!!

Mein Herz ist aufgegangen.

 

Fazit

Mein erster Tag war nicht perfekt, sondern chaotisch, unstrukturiert und momentweise grenzwertig überfordernd – aber er war echt und sehr realistisch.

Und genau das war richtig. Denn am Ende geht es nicht darum, dass alles perfekt läuft, sondern darum, dass du da bist, anfängst und dich traust, deinen eigenen Weg zu gehen.

Ich habe an diesem Abend das Licht ausgemacht, die Tür geschlossen –
und mich einfach nur auf den nächsten Tag gefreut.

Und genau in diesem Moment wusste ich:

Es war die richtige Entscheidung.

Und das wünsche ich euch auch, liebe Leser: Viele richtige Entscheidungen auf eurem ganz eigenen Weg in die Selbstständigkeit. Und ich hoffe, ich konnte euch dabei ein Stück weit begleiten und motivieren. 

Bald werde ich euch nochmal erzählen, was ich so aus meiner Anfangszeit mitnehmen konnte, welche Fehler ich lieber nicht gemacht hätte und wo ich vielleicht auch goldrichtig lag. Bis dahin alles Gute und fleißige Überlegungen. 

 

Eure Jasmin Schiessl