Die Frage „Benutzen Sie täglich Sonnencreme?“ ist in der dermatologischen Praxis so sicher wie das Amen in der Kirche.
Wir erzählen unseren Patienten regelmäßig – fast schon wie eine kaputte Schallplatte, – dass sie die Sonne meiden und Sonnencreme benutzen sollen. Aber haben wir auch eine Antwort parat, wenn sie uns fragen, was sie gegen die lästigen Sonnencremeflecken auf den Sommersachen machen sollen?
Wenn nicht, dann soll dieser Artikel das jetzt ändern! Oft entsteht genau da im Praxisalltag eine Lücke. Denn wir wissen alle, dass selbst wirksame topische Präventionsmaßnahmen schnell abgesetzt werden, wenn sie im Alltag stören oder als belastend empfunden werden.
Und doch gilt: Sonnencreme, wir lieben dich! Du schützt uns vor Sonnenbrand, vorzeitiger Hautalterung und Sonnenschäden. Aber Sonnencremeflecken auf dem neuen weißen Sommerkleid? Come on, das ist ja wirklich das Letzte! Jeder von uns kennt es, jeder hasst es. Gelbe Ränder an Blusen und gelbliche Flecken auf weißen Sommersachen lassen sich durch normales Waschen oft nicht mehr entfernen – ich habe deshalb schon einige schöne Kleidungsstücke wegwerfen müssen.
Obwohl sich die Sonnenschutz-Branche mittlerweile schon wirklich viel Neues ausgedacht hat – leichtere Formulierungen, Kombinationen mit Hyaluronsäure und Antioxidantien – muss ich sagen, dass sie ruhig mal mehr bezüglich Sonnencremeflecken forschen könnten! Denn das hat sich in all den Jahren noch nicht wirklich verbessert. Manche Anbieter werben zwar damit, dass sich ihre Sonnencreme gut aus Kleidung rauswaschen lässt, aber das habe ich bisher nicht bestätigen können.
Ursachen für Sonnencremeflecken
Aber warum kommt es überhaupt zu Sonnencremeflecken?
Ursächlich sind meistens die in der Sonnencreme enthaltenen chemischen Filter. Diese können mit Mineralien im Wasser oder auch im Schweiß reagieren und so zu orange-gelben Flecken führen. Ein besonders häufiger Verdächtiger ist hierbei Avobenzon (INCIs: Butyl Methoxydibenzoylmethane). Weiterhin können ölreiche oder wasserfeste Formulierungen tief in die Textilien eindringen und so noch schwerer auswaschbar sein.
Zusätzlich ist die Kombination aus Schweiß, Sebum und Sonnencreme im Sommer häufig und führt zu noch hartnäckigeren Flecken, da sie stärker in die Textilien eindringen kann und sich so schwerer entfernen lässt.
Besonders anfällig für Flecken sind helle Stoffe, feinporige Textilien und ältere Kleidungsstücke. Auch synthetische Stoffe wie beispielsweise Sportkleidung (man denke an den schönen weißen Tennisrock, der meist nur eine Saison so strahlend weiß bleibt) sind empfänglich für die oxidativen Verfärbungen.
Und auch Deodorantien können die Flecken durch Interaktion mit der Sonnencreme beeinflussen. Insbesondere aluminiumhaltige Antitranspirantien können mit UV-Filtern reagieren und Verfärbungen begünstigen.
Warum normales Waschen oft nicht reicht
Viele Sonnencremebestandteile sind ölreich und wasserresistent. Und das ist auch gut so, denn gerade für den Strandurlaub möchte man keine Formulierung, die nach einmal Baden komplett abgewaschen ist. Das ist zwar gut für den Schutz unserer Haut, jedoch nicht für unsere Kleidung. Denn so lassen sich die Sonnencreme-Rückstände durch einen normalen Waschgang bei 30–40 Grad oft nicht vollständig entfernen. Eine wasserbeständige Sonnencreme-Formulierung ist also eher nicht textilfreundlich. Und auch Cremes mit einem hohen Ölgehalt haben die Neigung, in die Fasern einzuziehen.
Besonders problematisch wird es, wenn wir die Kleidung mit den nicht vollständig entfernten Flecken direkt heiß waschen und anschließend in den Trockner geben, da durch die Hitze die Flecken fixiert werden können.
Was wirklich hilft
1. Flecken möglichst früh behandeln
Je frischer der Fleck, desto besser die Erfolgschancen. Die betroffene Kleidung möglichst sofort mit kaltem Wasser ausspülen, um ein tieferes Eindringen der Sonnencreme in die Fasern zu verhindern. Wichtig ist hier, nicht stark zu reiben oder heißes Wasser zu nutzen, weil das die lipophilen Bestandteile tiefer in die Textilfasern einarbeiten kann. Am besten also direkt nach dem Ausziehen das Kleidungsstück vorbehandeln und dann direkt waschen.
2. Spülmittel oder Gallseife verwenden
Da viele Rückstände fettlöslich sind, helfen entfettende Substanzen oft erstaunlich gut. Spülmittel ist ein sehr günstiges und praktisches Hausmittel, das bei einer Vielzahl von Flecken wirken kann. Dafür das Spülmittel direkt auf den Fleck geben, 15–30 Minuten einwirken lassen und anschließend < 40 Grad waschen.
Sinnvoll sind auch:
- Gallseife
- Spezielle Fleckenentferner (Fleckenteufel Natur & Kosmetik beispielsweise)
- enzymhaltige Fleckenentferner
- Backpulver/Natron mit lauwarmem Wasser anmischen, auf den Fleck geben und 10–15 Minuten einwirken lassen, dann in der Waschmaschine normal waschen.
3. Zitronensäure oder Essig
Gerade bei Avobenzon-bedingten gelb-orangen Verfärbungen kann eine milde Säure helfen. Für eine gezielte Fleckenbehandlung kann man verdünnte Zitronensäure oder verdünnten weißen Essig auf die Flecken auftragen, 15–30 Minuten einwirken lassen und dann im normalen Waschprogramm der Waschmaschine auswaschen. Wenn man mit hartnäckigen Verfärbungen zu kämpfen hat oder gleich mehrere Kleidungsstücke behandeln möchte, lohnt sich ein ein- bis zweistündiges Bad der Kleidung in 15 g Zitronensäure auf einem Liter Wasser. Anschließend < 40 Grad waschen.
4. Sauerstoffbleiche statt Chlor
Für weiße Textilien und besonders für empfindliche Kleidungsstücke eignet sich Sauerstoffbleiche häufig besser als aggressive Chlorbleiche, da sie Fasern weniger schädigt. Zusätzlich kann es bei der Nutzung von Chlor durch eine chemische Reaktion mit der Sonnencreme zu pinken Verfärbungen kommen. Deshalb ist es auch sinnvoll, flüssiges Waschmittel zu verwenden, da in Waschpulver manchmal Bleichmittel enthalten sind.
Ich nutze seit Jahren eine günstige Sauerstoffbleiche von dm als sehr effektiven Waschverstärker, gerade auch bei den gelben Verfärbungen am Kragen von Arztkitteln.
Kann man Sonnencremeflecken vorbeugen?
Teilweise ja: Der wichtigste Hebel ist es, die Sonnencreme gut einziehen zu lassen. Ich creme mich im Sommer morgens immer komplett ein und lasse die Sonnencreme 15–20 Minuten einwirken, bevor ich mein Sommerkleid anziehe. Bei heller/empfindlicher Kleidung gilt es, eher weniger fettige und keine wasserfesten Formulierungen benutzen. Und weiße Kleidung direkt nach dem Ausziehen vorbehandeln und waschen – den Flecken somit keine Chance geben.
Alternativen: Fotoprotektion ohne Sonnencreme – was wirklich funktioniert
Natürlich ersetzt nichts die Sonnencreme vollständig. Dennoch gibt es mehrere effektive Alternativen und Ergänzungen zur topischen Fotoprotektion:
UV-Schutz-Kleidung
UPF-zertifizierte Textilien können eine sehr gute Alternative zu Sonnencreme sein. Sie sind quasi Sonnenschutz zum Anziehen. Der große Vorteil hierbei: Die Schutzwirkung tritt sofort ein und bleibt auch bei Schweiß, Wasser oder Bewegung stabil. Und zusätzlich ist sie nicht abhängig davon, wie oft oder in welcher Menge der Sonnenschutz aufgetragen wurde. Sie muss außerdem nicht mehrmals aufgetragen werden, was die praktische Adhärenz deutlich verbessert.
Die richtige Kopfbedeckung
Breitkrempige, dichte Hüte können effektiv Gesicht, Ohren und Nacken schützen. Gerade diese Areale erleben im Laufe unseres Lebens oft eine hohe kumulative UV-Exposition. Wie prüft man, ob der Hut auch wirklich dicht ist? Indem man ihn gegen die Sonne hält. Wenn kein Sonnenlicht durchkommt, ist das gut. Anders jedoch bei Strohhüten, die oft Sonne durchlassen und durch die man ein trügerisches Sicherheitsgefühl hat. Caps schützen zwar die Augen, aber nicht den Nacken.
Ergänzend können UV-Schals/Stolen sowie UV400-Sonnenbrillen sinnvoll sein, insbesondere zum Schutz der periokulären Haut und Augen. Besonders relevant ist das, wenn man sich am oder auf dem Meer befindet, da die UV-Strahlen durch die Reflexion einen stärkeren Impact haben.
Seek Shade
Es wird stetig empfohlen, Schatten zu suchen. Jedoch bleibt auch im Schatten relevante UV-Exposition bestehen. Das geschieht durch Streuung und Reflexion (insbesondere an Wasser, Sand oder hellen Oberflächen).
UV-Index beachten
Der UV-Index zeigt an, wie stark die UVB-Strahlung zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort ist. Ab einem UV-Index ≥ 3 wird konsequenter Sonnenschutz empfohlen. Sinnvoll ist, insbesondere die Mittagshitze zwischen 11 und 15 Uhr bei hohem UV-Index zu meiden. Die meisten Wetter-Apps geben einen UV-Index aus.
Dermatologisches Fazit
Sonnencremeflecken sind zwar ärgerlich, aber in den meisten Fällen vermeidbar. Sie sind selten ein Hinweis auf eine mangelnde Produktqualität, sondern oft bedingt durch lipophile UV-Filter und wasserresistente Formulierungen.
Mit ein paar Maßnahmen, wie 20 Minuten nach dem Eincremen zu warten, bevor man seine Kleidung anzieht oder einer schnellen Vorbehandlung, lassen sich viele Flecken jedoch deutlich reduzieren und oft sogar verhindern – ohne dabei auf effektiven Sonnenschutz verzichten zu müssen.
Ich hoffe, dass ihr in Zukunft sowohl eure weißen Sommerkleider als auch eure Patienten vor unnötigem Frust durch Sonnencremeflecken bewahren könnt!
Eure Constanze
