Klinik vs. Niederlassung – oder Jacke wie Hose? Endlich, jetzt kommt der Facharzt für Dermatologie und Venerologie! – Nur wo?

Juhu, das Studium ist geschafft und die Entscheidung zur Fachrichtung getroffen: Ich will Dermatologin werden! Aber wo fange ich da nur an?

Seit einigen Jahren kann die Weiterbildungszeit komplett in der Niederlassung absolviert werden. Aber ist das auch sinnvoll und welche Vor- und Nachteile haben eigentlich die Praxis und die Klinik als WBA?

Dr. Cora Schüller, erstellt mit KI

Seit dem Beschluss der neuen (Muster-)Weiterbildungsordnung (MWBO) durch den Deutschen Ärztetag 2018 ist eine stationäre Weiterbildungszeit in der Dermatologie nicht mehr verpflichtend und die Weiterbildung und ihre Dokumentation eher kompetenzbasiert ausgelegt. Die Umsetzung und Aufnahme in die Weiterbildungsordnungen der jeweiligen Ärztekammern erfolgte zwischen 2019 und 2022. Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) sowie der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) betonen weiterhin die fachliche Relevanz der Klinikzeit für die Ausbildung.

Die Entscheidung, ob man seine Weiterbildung gänzlich in der Klinik, der Praxis oder in einer Mischung aus beidem absolviert, ist nicht immer leicht und oft auch nicht die eigene Wahl. Geringe Stellenverfügbarkeiten und ein hoher Konkurrenzkampf machen den Einstieg in die Ausbildung zum Dermatologen oft schwer. So manch einer hat über Umwege und Wartezeiten seinen Weg in die Dermatologie gefunden, andere haben sich schweren Herzens für eine andere Fachrichtung entschieden. Ich hatte Glück und konnte nach dem PJ direkt in einer Uniklinik beginnen. Dennoch entschied ich mich drei Jahre später für den Wechsel in die Praxis – und ich bereue es bis heute nicht.

Sicherlich ist eine Ausbildung in der stationären Versorgung andersartig als in einer Praxis. Man betreut Patienten über längere Zeiträume, behandelt seltene, schwierige und bedrohliche Krankheitsbilder. Neben dermatologischen Krankheiten bringen Patienten oft auch internistische sowie andere medizinische und psychosoziale Beschwerden mit. Das ist sehr fordernd und sicherlich oft auch überfordernd, jedoch auch extrem lehrreich. Interdisziplinäre Fallbesprechungen, die oberärztliche Betreuung und die Möglichkeiten einer universitären Versorgung (rückblickend unfassbar – ohne über die Budgetkosten einer Praxis nachdenken zu müssen -) bedingen oft eine sehr umfangreiche Diagnostik und Behandlung. Dem geschuldet sieht man dort entsprechend häufiger ausgeprägte (Haut-)Befunde. Der dermatologische Blick wird geschärft und der Erfahrungsschatz jeden Tag erweitert. Die Erfahrungen in der Klinik differieren jedoch stark: Bei einem guten Rotationsplan ist die Ausbildung sehr umfassend und tiefgreifend. Wenn man Pech hat, kann es einem passieren, dass man viele Monate bis Jahre in einer Rotation bleibt und in dieser Zeit nur ein Teilgebiet zu behandeln lernt – das dann aber gründlich. Für das persönliche Leben bedeutet die Anstellung an einer (Uni-)Klinik jedoch fast immer eine große Belastung und Einschränkung des Privatlebens. Man arbeitet vertragsgemäß 40 Wochenstunden (bis Ende 2025 waren es an den Unikliniken 42), dazu kommen häufig Überstunden und natürlich die Dienste an Wochenenden und Feiertagen sowie über Nacht. Ob man diese Arbeitsbedingungen leisten kann und möchte, muss jeder individuell für sich entscheiden.

In Praxen entfallen üblicherweise Wochenend- und Dienstarbeit und man arbeitet ca. 38,5 bis 40 Wochenstunden. Je nach Öffnungszeiten sind es häufig drei lange und zwei kurze Tage. Es gibt aber auch Extremfälle mit Öffnungszeiten von frühmorgens bis spätabends und einem Schichtmodell. Das getaktete Arbeiten in einer Praxis bringt naturgemäß eine hohe Summe an Patienten mit sich. Man erlernt ein schnelles, zielgerichtetes Arbeiten und wird in den häufigen dermatologischen Krankheiten wie Psoriasis, Atopisches Ekzem, Akne, Rosazea, Mykosen sowie u.a. dem Hautkrebsscreening schnell zum Profi. Darüber hinaus hat man je nach Arbeitgeber einen vielfältigen Arbeitsalltag einhergehend bspw. mit kleinen Probeentnahmen, vielleicht sogar Laserbehandlungen oder ästhetischen Treatments sowie der regulären dermatologischen „normalen“ Sprechstunde. Man darf und muss deutlich autonomer arbeiten. Das kann Vor- und Nachteile haben. Im Gegensatz zur Klinik bietet sich je nach Weiterbildungsbefugtem wahrscheinlich deutlich weniger Zeit für Lehre und Rat, insbesondere während der laufenden Sprechstunde.

Für mich als Weiterbildungsassistentin in der zweiten Hälfte der Ausbildung war der Wechsel in die Praxis vor allem sinnvoll, da ich mich dort langfristig sehe und bereits Erfahrung in den vorherigen Ambulanzen sammeln konnte. Ich strebe keine akademische Karriere an und möchte auch nicht mehr Dienste ableisten, wenn andere sich samstags zum Grillen treffen oder an Weihnachten beisammensitzen. Hat man es bis zum Oberarzt geschafft, sind dermatologische Dienste jedoch oft nur noch Bereitschaftsdienste. Finanziell ist man als WBA in der Klinik durch die Dienste häufig besser gestellt als in der Praxis; dort erhält man oft ein an die Förderung der KV oder den Tarif der Unikliniken/kommunalen Häuser angelehntes Gehalt. Eine Umsatzbeteiligung als WBA ist selten, diese kann das Gehalt jedoch deutlich aufbessern.

Attraktiv ist für viele sicherlich auch das große Team einer Klinik, hier kann es je nach Praxis manchmal einsam werden. Leid schweißt bekanntermaßen zusammen und ein Austausch mit Gleichgestellten versüßt häufig den Arbeitsalltag. Es gibt jedoch auch große Praxen und MVZs mit vielen angestellten Ärzten.

Ich empfinde die dermatologische Versorgung in Praxen als sehr vielgestaltig und auch individuell immer wieder an gewisse Vorlieben anpassbar. Habe ich z. B. Freude an mannigfaltigen operativen Eingriffen, kann ich hierfür viel Eingriffszeit einplanen und diese – falls mich die Lust verlässt – auch wieder reduzieren. In der Klinik spezialisiert man sich im Verlauf der Karriere immer mehr auf einen Teilbereich oder gar eine Krankheit – und wird dafür dann aber Experte. Die Bandbreite bleibt in der Praxis, so man denn möchte, eher erhalten. Man kann z. B. morgens operieren und lasern und nachmittags Patienten zu chronischen dermatologischen Krankheiten beraten. Man kann sich einen Ruf für verschiedene Krankheitsbilder oder Patientengruppen aufbauen und so die inhaltliche Arbeit gestalten. Dies gilt jedoch eher für die Arbeit als Fachärztin als als Assistenzärztin. Dennoch: Die Praxisarbeit fühlt sich für mich an wie ein bunter Blumenstrauß an verschiedenen Krankheiten und möglichen Tätigkeiten.

 

Ich spreche immer wieder mit Kolleginnen und Kollegen, die in der Praxis begonnen haben und sich fragen, ob sie etwas verpassen. Es wäre gelogen zu sagen, dass man das gesamte Spektrum der Dermatologie in einer Praxis zu sehen bekommt – auch wenn der Arbeitsplatz eine Weiterbildungsbefugnis für 60 Monate vorweisen kann. Neben dem oben Aufgeführten werden viele Diagnostik- und Therapieverfahren nur an spezialisierten Standorten angeboten. Für gewisse aufgeführte Tätigkeiten im Logbuch muss man als Praxis-WBA sogar eine Hospitation absolvieren, z. B. für die ärztliche Leichenschau. Wer als Facharzt nicht in der Praxis arbeiten möchte, sollte auch die Weiterbildung möglichst komplett in der Klinik verbringen. Wenn man später im ambulanten Bereich arbeitet und eine breite Ausbildung erfahren möchte, ist die Mischung aus Klinik und Praxis wahrscheinlich der goldene Weg. Neben dem oben Aufgeführten lernt man die Abläufe in den Krankenhäusern kennen und kann Patienten umfassender beraten. Ich möchte meine Klinikzeit nicht missen und kann jeden nur ermutigen, beides auszuprobieren. Das hilft auch bei der Wahl der späteren Arbeitsstelle und gibt einem eine weitere Perspektive auf die Arbeitsbedingungen, Hierarchien und die verschiedenen Strukturen der Gesundheitsversorgung. 

Viel Freude bei der Ausbildung!

 

Eure Cora

 

Quellen: 

  1. https://www.bundesaerztekammer.de/themen/aerzte/aus-fort-und-weiterbildung/aerztliche-weiterbildung/muster-weiterbildungsordnung?utm_source=chatgpt.com; Zugriff 06.07.2026
  2. https://derma.de/presse/detail/facharzt-dermatologie-klinikzeiten-in-der-weiterbildung-sind-wichtig-komplexe-und-schwere-hauterkrankungen-sind-stationaer-umfassend-erfahrbar?utm_source=chatgpt.com; Zugriff 06.07.2026
  3. https://www.bvdd.de/aktuelles-presse/newsroom/pressemitteilungen/details/facharzt-dermatologie-klinikzeiten-in-der-weiterbildung-sind-wichtig/?utm_source=chatgpt.com; Zugriff 06.07.2026