Spezial: Jasmin gründet - Teil 5 Ich will mich nur„ versichern… - Welche Versicherungen wirklich wichtig sind

Sobald du dich auf den Weg in die eigene Praxis machst, kommt ein Thema schneller auf dich zu als gedacht: Versicherungen. Und plötzlich geht es nicht mehr nur um eine oder zwei Policen – sondern um ein ganzes System aus Absicherung, Verantwortung und Papierkram. Welche Versicherungen wirklich essenziell sind, welche optional und worauf du achten solltest, erfährst du hier.

Sobald du beginnst, dich konkret mit der eigenen Praxis zu beschäftigen, passiert meist etwas sehr Typisches: Du setzt dich mit einem Berater zusammen – und plötzlich öffnet sich eine Welt, von der du vorher nicht einmal wusstest, dass sie existiert. 

Versicherungen. 

Und zwar nicht eine. Sondern viele. 

Im besten Fall hast du jemanden an deiner Seite, der dich da strukturiert durchführt. Im weniger guten Fall sitzt du vor einem Berg Unterlagen und fragst dich, gegen was man sich eigentlich alles versichern kann – und ob man das wirklich alles braucht. 

Die ehrliche Antwort liegt irgendwo dazwischen. 

Es gibt zwei Extreme: 
Die einen wollen sich gegen wirklich alles absichern. 
Die anderen sind eher pragmatisch unterwegs und sagen: „Ich nehme nur das Nötigste.“ 

Und genau dazwischen liegt meistens ein sinnvoller Weg. 

Die eine Versicherung, über die man nicht diskutiert 

Wenn es eine Versicherung gibt, die absolut gesetzt ist, dann ist es die Berufshaftpflichtversicherung. 

Viele haben sie tatsächlich schon in der Weiterbildung abgeschlossen – was auch absolut sinnvoll ist. Der wichtige Punkt: Mit dem Schritt in die Selbstständigkeit muss sie angepasst werden. 

Und zwar nicht nur ein bisschen. 

Du brauchst eine Deckung, die zu deinem tatsächlichen Tätigkeitsspektrum passt. Ästhetik, Laser, operative Eingriffe – all das muss sauber abgebildet sein. 

Was viele unterschätzen: 
Auch deine Mitarbeiter müssen mitversichert sein. 

Und da wird es schnell individuell. Eine MFA (medizinische Fachangestellte) ist etwas anderes als eine Kosmetikerin. Letztere muss oft explizit aufgeführt werden – sonst kann es im Schadensfall unangenehm werden. 

Die Klassiker, die fast jede Praxis braucht 

Neben der Haftpflicht gibt es ein paar Versicherungen, die in den meisten Praxen dazugehören: 

  • Praxisinventarversicherung 
    Schützt alles, was du anschaffst – von der Liege bis zum Lasergerät 

  • Betriebsunterbrechungsversicherung 
    Greift, wenn du vorübergehend nicht arbeiten kannst (z. B. Schaden in der Praxis) 

  • Rechtsschutzversicherung 
    Gold wert, sobald es zu Streitigkeiten kommt – mit Patienten, Vermietern oder Mitarbeitern 

  • Elektronikversicherung 
    Gerade in der Dermatologie extrem relevant (Laser, Fotodokumentation, Geräte) 

Die „Daran hätte ich nie gedacht“-Versicherungen 

Dann gibt es noch die Kategorie Versicherungen, über die man erst stolpert, wenn sie einem jemand aktiv erklärt: 

  • Schäden durch Feuer, Leitungswasser oder Überschwemmung (oft in einer Geschäftsversicherung gebündelt) 

  • Elementarschäden (Starkregen, Rückstau – wird immer relevanter) 

  • Cyberversicherung (Thema Patientendaten, Datenschutz, IT-Ausfälle) 

Das sind genau die Dinge, bei denen man im ersten Moment denkt: „Brauche ich das wirklich?“ 

Bis man einmal erlebt hat, was passiert, wenn zum Beispiel das Patientenklo seinen Inhalt wieder hochbefördert und die Praxis zu einem olfaktorischen Albtraum werden lässt oder der Sanitärlehrling einen Rohrverbinder vergisst und über Nacht 180.000 Liter Wasser die neue Praxis in den Regenwald verwandeln. 

Little Reminder: Dich gibt es auch noch ;-) 

Was erstaunlich oft zu kurz kommt: Du selbst. 

  • Berufsunfähigkeitsversicherung 
    Einer der wichtigsten Bausteine überhaupt. Ich hatte im PJ schon mitleidige Diskussionen unter Kollegen erlebt, weil der Anästhesist und Familienvater mit dem Basilarisaneurysma nach Zahnarztbesuch keine abgeschlossen hatte. Das kann für eine Familie existenzbedrohend werden. 

  • Unfallversicherung 
    Gerade für Selbstständige sinnvoll 

  • Altersvorsorge 
    Hier gibt es unterschiedlichste Modelle – und ja, sie spielen teilweise sogar in Finanzierungsfragen mit rein… 

Merke: Banken schauen darauf, wie du langfristig abgesichert bist. Manche Modelle können sich positiv auf deine Kreditkonditionen auswirken. 

Und dann kommt noch die Krankenversicherung 

Als Selbstständiger hast du die Wahl zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Beide Systeme haben Vor- und Nachteile – medizinisch, finanziell und langfristig. 

Einige wichtige Faktoren: 

  • Vorerkrankungen (manche sind Ausschlusskriterium für die PKV) 

  • Verdienst des Partners wenn vorhanden im Vergleich zum Eigenen 

  • Familienstand und Anzahl der Kinder 

  • Hast du schon genug Entgeltpunkte gesammelt und könntest später in die GKVdR? 

  • Und schließlich: Was ist dir langfristig wichtig? Die Entscheidung kann nämlich unter Umständen irreversible Konsequenzen haben 

Ihr merkt: Ein eigenes leidiges und kompliziertes Kapitel für sich. Was sage ich – man könnte ein dickes Buch füllen damit. Eines, was der Komplexität der Quantenphysik in nichts nachsteht. Deshalb: Sucht euch durch euer Netzwerk einen unabhängigen Versicherungsberater, der einem das Ganze so näherbringen kann wie Stephen Hawking dem Laien schwarze Löcher. 

Die Realität: viel Papier, wenig Emotion 

Wenn man ehrlich ist: 
Versicherungen sind selten das, was man sich unter „spannender Praxisgründung“ vorstellt. 

Es ist Unmengen Papier, stundenlange Gespräche und ziemlich langweilige Inhalte. 

Aber es ist auch genau das trockene Fundament, auf dem deine Selbstständigkeit steht. 

Und je besser das durchdacht ist, desto ruhiger schläfst du später. 

Fazit 

Du musst dich nicht gegen alles versichern. 

Aber du solltest verstehen, wogegen du dich bewusst nicht versicherst. 

Und das ist am Ende der entscheidende Unterschied. 

Eine gute Beratung hilft enorm – aber die Entscheidung bleibt immer bei dir. 

Im nächsten Beitrag wird es deutlich greifbarer – und wahrscheinlich auch ein bisschen gefährlicher für dein Konto: 

„Kaufen, kaufen, kaufen – was du wirklich für deine Praxis brauchst.“ 

 

Eure Jasmin!