Ich habe es für euch getestet! LED-Masken und Red Light Pilates: Wissenschaft oder nur ein neuer Wellness-Hype?

Rotes Licht für den perfekten Glow? Ich habe Red Light Pilates ausprobiert und anschließend die Studien gelesen. Wie viel Wissenschaft steckt wirklich hinter den LED-Masken und Co. – und ist der Hype berechtigt?

Dinç Tapa

Neulich erhielt ich vom Pilates-Studio meines Vertrauens eine E-Mail, dass sie jetzt auch Red Light Pilates anbieten. Die Versprechungen? Mehr Energie, bessere Muskelregeneration – und: Schönere Haut durch mehr Kollagenbildung sowie Reduktion von Entzündungen. Das hört sich zu schön an, um wahr zu sein – das musste ich unbedingt ausprobieren! Die Red Light Gesichtsmasken kennt ja mittlerweile jeder von Instagram und Co, aber Pilates mit Red Light? Das war für mich Neuland.
Eine Woche später stand ich tatsächlich auf der Matte in einem großen Raum mit zwei Red Light Panels - und ungefähr 30 anderen Menschen. Nicht nur ich war wohl neugierig auf dieses Red Light. Ich hatte mir extra einen Platz ganz nah an den Panels gesichert, man will ja auch was bekommen für sein Geld!

Es war auch eine sehr gute Pilates-Stunde und das rote Licht gab dem Ganzen einen besonderen Touch. Und tatsächlich fühlte ich mich danach entspannter und frischer als nach einer gewöhnlichen Class. Alles nur Placebo? Das möchte ich nun für euch in diesem Artikel beleuchten!

Aber erst einmal: Was ist Red Light überhaupt und was soll es bringen?
Grundsätzlich ist Red Light eine Form von Photobiomodulation. Dieses komplizierte Wort bezeichnet den Prozess, dass gewisse Wellenlängen von Licht die Fähigkeit haben, Prozesse im menschlichen Körper zu beeinflussen. Das können beispielsweise die Kollagenbildung oder entzündliche Prozesse sein.1 Das Licht wird dabei über LEDs (= Light Emitting Diode) erzeugt, die je nach Gerät genau definierte Wellenlängen im roten oder nahinfraroten Spektrum abgeben können. Die meisten von uns kennen seit unserer Kindheit vermutlich die Infrarotlampe, die früher häufig bei Erkältungen oder Muskelverspannungen eingesetzt wurde. Diese Infrarotlampen erzeugen Wärme. Im Gegensatz dazu arbeitet die moderne LED-basierte Red Light Therapie, die sowohl in LED-Masken als auch beim Red Light Pilates durch Panels eingesetzt wird, mit deutlich spezifischeren Wellenlängen im roten oder nahinfraroten Bereich.

Es gibt sowohl Pilates mit Infrarotlampen, bei denen durch die Wärme ein stärkeres Schwitzen und eine Anregung des Stoffwechsels bewirkt werden soll, als auch solches mit LED-Lampen, die einen Well-Aging-Effekt durch die Steigerung der Kollagenproduktion haben sollen. Anders als UV-Licht verursachen die Infrarot- und LED-Strahlen keine DNA-Schäden oder Bräunung.2

Es gibt verschiedene Farben, die auch über unterschiedliche Wirkungen verfügen sollen. Diese Farben ergeben sich aufgrund von verschiedenen Wellenlängen. Rotes Licht soll vor allem bezüglich Wundheilung und Hautalterung wirksam sein,3 Nahinfrarot (das sind die klassischen Infrarotlampen) kann tiefer eindringen und bei Muskelregeneration und Schmerzen helfen und blaues Licht soll antibakteriell wirken, was bei Aknepatienten hilfreich sein kann.4, 5 

 

Bringt Rotlicht wirklich etwas für Well-Aging?

Nun aber kommen wir zu dem, was uns wirklich interessiert: Ist das alles nur wieder ein neuer Hype, der uns zum Kaufen anregen soll, aber am Ende gar nichts bringt? Die Studienlage dazu ist heterogen. Der Großteil der Studien, der die Effekte der Red Light Therapy auf die Hautqualität untersucht, zeigt, dass die beste Evidenz für milde Zeichen der Hautalterung vorliegt. Mehrere randomisierte Studien zeigen Verbesserungen von:6, 7

  • feinen Fältchen
  • Hauttextur
  • Elastizität
  • Hautbild 

Die zugrundeliegenden Mechanismen sind laut den Studien am ehesten eine gesteigerte Kollagenproduktion und eine antientzündliche Wirkung. Jedoch ist wichtig zu betonen, dass die Veränderungen eher subtil sind und es Wochen bis Monate regelmäßiger Anwendung (das heißt mindestens 3–4 Mal pro Woche oder sogar täglich) benötigt, damit man diese Ergebnisse auch tatsächlich erzielen kann. Wunder sollte man also von einer einzigen Red Light Pilates Class nicht erwarten. Relevant ist auch, dass man sich bewusst ist, dass diese Studien oft kleine Fallzahlen haben und unterschiedliche Wellenlängen/Energiedosen verwenden und somit schwer untereinander vergleichbar sind. 

 

Kann Rotlicht bei Akne helfen?

Ja, es kann zusätzlich zu den Standardtherapien (wie BPO, Retinoide etc.) sinnvoll sein. Besonders wirksam scheint die Kombination aus blauem und rotem Licht zu sein. Hierbei soll blaues Licht Cutibacterium acnes reduzieren und das rote Licht Entzündungen vermindern.5 

Zur Behandlung von Aknenarben und Pigmentflecken ist die Datenlage etwas schwächer. Für oberflächliche postinflammatorische Erytheme gibt es Hinweise auf eine Verbesserung durch eine Kombination von rotem und blauen Licht.8

Für echte Aknenarben sind Laser, TCA-CROSS und RF-Microneedling wesentlich besser untersucht.9 Das Therapieansprechen auf eine Maßnahme ist jedoch von Mensch zu Mensch immer individuell und ein Versuch ist es immer wert! Gerade aufgrund ihres günstigen Sicherheitsprofils und meist nur milden Nebenwirkungen wie Hautrockenheit.

 

Zurück zum Red Light Pilates: Reicht ein Panel im Raum aus?

Die Studien, welche die positiven Effekte der Red Light Pilates darlegen, beziehen sich meistens auf die Anwendung von LED-Masken. Diese liegen direkt auf der Gesichtshaut auf und können so das Areal gezielt und intensiv bestrahlen. Weiterhin werden in den Studien mehrfach pro Woche Sitzungen durchgeführt, es ist eher unwahrscheinlich, dass man 4–5× pro Woche zum Red Light Pilates geht. Weiterhin ist beim Pilates die Entfernung der Haut von der LED-Quelle viel größer und zudem ist man ständig in Bewegung und die Bestrahlungsdauer einzelnen Körperbereiche ist dadurch reduziert. Somit kann der Effekt relevant geringer ausfallen.

Wenn lediglich zwei Panels irgendwo im Raum stehen, stellt sich mir die Frage, ob überhaupt genügend Lichtenergie die Haut erreicht. Spezifische Studien zu Red Light Pilates existieren bislang nicht. Je populärer das wird, desto eher wird es welche dazu geben. Ich würde sie auf jeden Fall lesen!

Anders stellt es sich dar, wenn man zu Hause Pilates macht und direkt vor einem eigenen LED-Panel sitzt und nicht mehrere Meter davon entfernt ist. So kann die gesamte Haut und nicht nur ein kleiner Bereich wie durch eine Maske erreicht werden. Aber: Wie oft nutzt man es denn wirklich? Und ist es nach der anfänglichen Begeisterung nicht wieder nur ein Gadget, das man kauft und dann nach ein paar Mal wieder im Schrank verstauben lässt?

Sinnvoller für Well-Aging sind und bleiben wohl eher weiterhin die „langweiligen“ Klassiker wie Verzicht auf Alkohol, Nikotin und übermäßig viel Zucker, topische Retinoide sowie konsequenter Sonnenschutz.

Ich finde es schön, dass sich Menschen immer neue Dinge überlegen, wie man Sport zu einem Erlebnis machen kann. Denn Bewegung, die man mit Freude durchführt und dadurch regelmäßig, kann ein wichtiger Bestandteil einer gesunden Lebensroutine sein, die uns Energie und schöne frische Haut schenkt.

Mir hat die Pilates Class viel Spaß gemacht und ich denke, ich werde wieder hingehen, aber nicht mit der Erwartung, dass ich aus dem Studio komme und nach 3 Wochen Urlaub aussehe. Pilates selbst als Sport und zusätzlich auch als eine Form der Entspannungsmethode kann jedoch durchaus einen positiven Einfluss auf die Haut und das allgemeine Wohlbefinden haben.

 

Funktionieren LED-Masken für zu Hause?

Was ist nun aber mit Red Light Masken für zu Hause? Die sieht man ja fast in jeder Influencer-Beauty-Routine. Es gibt sie fürs Gesicht, den Hals und sogar für den Kopf, um das Haarwachstum anzuregen. Ehrlich gesagt finde ich, dass Menschen damit ein bisschen spooky aussehen. Da passt das altbewährte Sprichwort „Wer schön sein will, muss leiden“ – das gilt aber vermutlich eher für unsere Mitbewohner oder Familie, wenn wir um 6 Uhr morgens mit einer Darth-Vader-mäßigen LED-Maske auf dem Walking Pad stehen und unseren zweiten Matcha-Latte des Tages trinken. Aber ich schweife ab.

Kurze Antwort: Ja, Studien zeigen gewisse Effekte des roten Lichtes auf Kollagenaufbau und die Minderung feiner Falten. Lange Antwort: Man sollte mit realistischen Erwartungen an die Sache herangehen und sich nicht von Werbeversprechen um den Finger wickeln lassen.

Bei regelmäßiger Anwendung (3–5 Mal pro Woche über mindestens 8–12 Wochen) können subtile Effekte wie beispielsweise weniger Entzündungen, ein allgemein frisches wirkendes Hautbild und eine leichte Verbesserung von feinen Fältchen auftreten.

Die Wirkung ist jedoch meist geringer als bei professionellen Geräten, aber durchaus messbar. ABER: Man muss die Masken auch wirklich konsequent nutzen, am besten jeden Tag etwa 10 Minuten. Daraus kann man im Sinne von Habit-Cueing auch ein kleines Ritual machen, beispielsweise währenddessen meditieren oder ein Dankbarkeits-Tagebuch führen.

 

Placebo oder echter Effekt?

Das Red Light Pilates verspricht auch zusätzlich zum positiven Effekt auf die Haut eine schnellere Muskelregeneration und eine tiefere Entspannung. Und tatsächlich fühlte ich mich nach der Class deutlich entspannter, aber: Ich vermute, dass das warme, gedimmte rote Licht dabei eine große Rolle gespielt hat. Dadurch entsteht automatisch eine Wellness-Atmosphäre, und zusätzlich können Erwartungseffekte im Sinne eines Placebo-Effekts auftreten, besonders wenn man zuvor von den positiven Wirkungen des Red Light Pilates gelesen hat. Es ist demnach also schwierig, subjektive Effekte von biologischen Effekten zu trennen.

 

Kleines 101 – was sollte man bei der Red Light Therapy beachten?

  1. Nicht direkt in die LEDs schauen: Rotes Licht enthält zwar keine UV-Strahlung, die hohe Helligkeit kann aber in den Augen durchaus unangenehm sein. Bei leistungsstarken Panels oder Nahinfrarotgeräten empfehlen Hersteller häufig Schutzbrillen.
  2. Eine hohe Dosis ist nicht immer besser: Für die Photobiomodulation gilt: Zu wenig Licht hat eine geringe Wirkung, aber zu viel kann den Effekt wiederum ebenso abschwächen. Deshalb sind regelmäßige, moderate Anwendungen sinnvoller als sehr lange Sitzungen. Also lieber 10 Minuten jeden Tag als nur einmal in der Woche 3 Stunden am Stück.
  3. Abstand von der LED beachten: Die Lichtintensität und damit auch Wirkung nehmen mit zunehmendem Abstand deutlich ab. Es ist ein großer Unterschied, ob man direkt die LED wie durch eine Maske an der Haut hat oder wie im Pilates-Studio zwei Meter entfernt.
  4. Geduld: Verbesserungen von Hautbild oder Akne kann man meistens erst nach einigen Wochen oder sogar Monaten regelmäßiger Anwendung sehen.
  5. Die Qualität der Geräte variiert: Es gibt ein riesiges Meer an Produkten und es ist für den Konsumenten schwer, sich für eines zu entscheiden. Man kann LED-Masken für 10 Euro kaufen, aber auch für 1.000. Preis bedeutet nicht immer Qualität. Vor dem Kauf sollte man sich gut informieren, Erfahrungsberichte lesen und auf (echte) Rezensionen vertrauen. Außerdem ist es wichtig, sich für die Maske mit der für einen persönlich richtigen Wellenlänge zu entscheiden. Für Akne-Patienten sind Kombinationen aus roten und blauen LEDs sinnvoll während bei Fokus auf Well-Aging eher Systeme mit rotem und nahinfrarotem Licht bevorzugt werden sollten.
  6. Es ist kein Ersatz für evidenzbasierte Therapien: Bei schwerer Akne, Rosazea etc. kann Red Light Therapy ergänzend eingesetzt werden, sollte aber nicht die einzige Therapiesäule darstellen.
  7. Vorsicht bei Einnahme lichtsensibilisierender Medikamente (Doxycyclin, Isotretinoin, Johanniskraut etc.): Bei gleichzeitiger Einnahme lichtsensibilisierender Medikamente sollte die LED-/Lichttherapie vorsichtig eingesetzt oder vorher ärztlich abgeklärt werden, da es, obwohl es sich dabei nicht um UV-Strahlung handelt, in seltenen Fällen zu verstärkten Hautreaktionen kommen kann. 

 

Fazit:

Allgemein gilt die Red-Light-Therapie als gut verträglich, da sie keine UV-Strahlung enthält und somit nicht mit den typischen Gefahren der Sonnenexposition verbunden ist. Photobiomodulation ist ein spannender neuer Forschungsbereich, der in Zukunft sicher noch viel Potenzial hat. Bis dahin stellt sie jedoch keinen Ersatz für etablierte dermatologische Behandlungsstrategien dar.

Red Light Therapy sorgt nicht für wunderschöne Haut über Nacht, aber es ist auch kein unnötiges Beauty-Gadget, das man belächeln sollte. Die wissenschaftliche Evidenz spricht dafür, dass rotes Licht bei leichter Hautalterung und entzündlicher Akne einen messbaren, wenn auch moderaten Nutzen haben kann.6 Auch bei der Behandlung von Wunden kann es supportiv eingesetzt werden.4 Entscheidend sind die richtige Wellenlänge, eine regelmäßige Anwendung und vor allem Geduld. Das rote Licht im Pilates-Studio mag für eine coole Atmosphäre sorgen – ob jedoch weit entfernte Panels im Raum denselben Effekt erzielen wie eine gezielte LED-Behandlung, ist zweifelhaft. 


Eure Constanze (bisher noch ohne LED-Maske, aber schauen wir mal, was wird!)

 

Quellen:

1Hamblin MR. Photobiomodulation or low-level laser therapy. J Biophotonics. 2016;9(11-12):1122-1124. doi:10.1002/jbio.201670113

2de Freitas LF, Hamblin MR. Proposed Mechanisms of Photobiomodulation or Low-Level Light Therapy. IEEE J Sel Top Quantum Electron Publ IEEE Lasers Electro-Opt Soc. 2016;22(3):7000417. doi:10.1109/JSTQE.2016.2561201

3Hamblin MR. Mechanisms and applications of the anti-inflammatory effects of photobiomodulation. AIMS Biophys. 2017;4(3):337-361. doi:10.3934/biophy.2017.3.337

4Avci P, Gupta A, Sadasivam M, et al. Low-level laser (light) therapy (LLLT) in skin: stimulating, healing, restoring. Semin Cutan Med Surg. 2013;32(1):41-52.

5Papageorgiou P, Katsambas A, Chu A. Phototherapy with blue (415 nm) and red (660 nm) light in the treatment of acne vulgaris. Br J Dermatol. 2000;142(5):973-978. doi:10.1046/j.1365-2133.2000.03481.x

6Lee SY, Park KH, Choi JW, et al. A prospective, randomized, placebo-controlled, double-blinded, and split-face clinical study on LED phototherapy for skin rejuvenation: clinical, profilometric, histologic, ultrastructural, and biochemical evaluations and comparison of three different treatment settings. J Photochem Photobiol B. 2007;88(1):51-67. doi:10.1016/j.jphotobiol.2007.04.008

7Hernández-Bule ML, Naharro-Rodríguez J, Bacci S, Fernández-Guarino M. Unlocking the Power of Light on the Skin: A Comprehensive Review on Photobiomodulation. Int J Mol Sci. 2024;25(8):4483. doi:10.3390/ijms25084483

8Liang Y, Li L. The Combination of Red and Blue Light, Radiofrequency and Intense Pulsed Light for the Treatment of Facial Postacne Erythema. Clin Cosmet Investig Dermatol. 2022;15:2383-2389. doi:10.2147/CCID.S389705

9Connolly D, Vu HL, Mariwalla K, Saedi N. Acne Scarring—Pathogenesis, Evaluation, and Treatment Options. J Clin Aesthetic Dermatol. 2017;10(9):12-23.