Gemeinsam forschen: Netzwerke als Schlüssel zum Erfolg Netzwerke und Kooperationen: Wie Zusammenarbeit Forschung erleichtert

Wissenschaft in der Dermatologie lebt von Zusammenarbeit. Netzwerke und Kooperationen erleichtern den Einstieg in die Forschung, bündeln Expertise und machen Projekte auch im Klinikalltag realistisch umsetzbar. Wie Arbeitsgruppen, Register und regionale Strukturen der DDG dabei helfen – und warum sich frühe Vernetzung lohnt.

Wissenschaft entsteht selten im Alleingang. Gerade in der dermatologischen Weiterbildung sind Netzwerke und Kooperationen oft der Schlüssel, um Forschungsideen realistisch umzusetzen – unabhängig davon, ob man an einer Universitätsklinik oder in einem nicht-universitären Haus arbeitet. Zusammenarbeit spart Zeit, erweitert den fachlichen Horizont und eröffnet Möglichkeiten, die allein kaum erreichbar wären. 

Ein großer Vorteil von Kooperationen liegt im Zugang zu Expertise. Nicht jede Praxis oder Klinik verfügt über alle methodischen oder inhaltlichen Schwerpunkte. Während in der eigenen Abteilung vielleicht viel klinische Erfahrung vorhanden ist, fehlen statistische Unterstützung, experimentelle Methoden oder Routine im Publikationsprozess. Genau hier setzen strukturierte Netzwerke an: Sowohl hausinterne Arbeitsgruppen als auch jene der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG); sie alle bündeln fachliche Expertise zu klar definierten Themenschwerpunkten – von entzündlichen Dermatosen über Dermatoonkologie bis hin zu Versorgungsforschung. Für Weiterbildungsassistenten bedeutet das, auf bestehende wissenschaftliche Strukturen, erfahrene Ansprechpartner und laufende Projekte zurückgreifen zu können, statt Forschung isoliert neu aufbauen zu müssen.

Auch Forschungsregister und multizentrische Projekte spielen eine zentrale Rolle. Viele DDG-Arbeitsgruppen initiieren oder betreuen Register, die eine standardisierte und qualitativ hochwertige Datenerhebung ermöglichen. Gerade bei seltenen Erkrankungen oder spezialisierten Therapien ist die Fallzahl einer einzelnen Klinik oft begrenzt. Durch die Teilnahme an solchen Kooperationen wird der eigene klinische Alltag Teil eines größeren wissenschaftlichen Zusammenhangs – mit überschaubarem Zusatzaufwand, aber deutlich höherer Aussagekraft und Relevanz der Ergebnisse. 

Ein oft unterschätzter, aber besonders wirkungsvoller Baustein der Vernetzung sind die unterschiedlichen Ebenen der Zusammenarbeit innerhalb der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. Neben den thematisch fokussierten Arbeitsgruppen bieten auch DDG-Foren und die dermatologischen Regionalgesellschaften strukturierte und zugleich niedrigschwellige Zugänge zur wissenschaftlichen Gemeinschaft. Während Arbeitsgruppen in der Regel stärker forschungs- und projektorientiert arbeiten, sind Foren häufig interdisziplinär ausgerichtet und widmen sich übergeordneten Themen wie Lehre und Weiterbildung, Digitalisierung, Nachwuchsförderung oder Versorgungsstrukturen. Sie bieten Raum für Austausch, Positionspapiere und konzeptionelle Arbeit – auch für Kolleginnen und Kollegen, die sich (noch) nicht in klassische Studienprojekte einbringen können. Regionalgesellschaften wiederum verankern wissenschaftliche Zusammenarbeit auf lokaler Ebene. Sie erleichtern persönliche Kontakte, fördern regionale Kooperationen zwischen Kliniken und Praxen und ermöglichen erste Forschungsschritte im vertrauten Umfeld. Gerade für Weiterbildungsassistenten sind diese Strukturen besonders wertvoll: Der Einstieg ist oft unkompliziert, die Wege kurz, und das Gefühl, Teil eines Netzwerks zu sein, entsteht früh. Gleichzeitig fungieren Foren und Regionalgesellschaften nicht selten als „Sprungbrett“ in überregionale Arbeitsgruppen oder multizentrische Projekte. So entsteht ein abgestuftes Netzwerk, das vom regionalen Austausch bis zur bundesweiten Forschungskooperation reicht – und wissenschaftliches Engagement in ganz vielfältigen Formen erlaubt. 

Ein weiterer Aspekt ist die Entlastung im Forschungsalltag. Kooperation heißt nicht, mehr Arbeit zu haben, sondern im besten Fall Arbeit sinnvoll zu verteilen. In etablierten Netzwerken ist häufig klar geregelt, wer sich um Studiendesign, Datenerhebung, Statistik oder Manuskripterstellung kümmert. Diese Arbeitsteilung ist gerade im stressigen Klinikalltag entscheidend, um Projekte nicht nur zu beginnen, sondern auch erfolgreich abzuschließen. Gleichzeitig profitieren wir Weiterbildungsassistenten vom direkten Lernen „on the job“ und bauen schrittweise eigene wissenschaftliche Kompetenzen auf. 

Doch wie entstehen solche Netzwerke konkret? Neben persönlichen Kontakten auf Fortbildungen, Kongressen oder Workshops bieten die Arbeitsgruppen und Kooperationen der DDG einen besonders guten Einstieg. Viele Gruppen sind explizit offen für junge Kolleginnen und Kollegen, kommunizieren laufende Projekte transparent und freuen sich über aktive Mitarbeit. Oft reicht es aus, Interesse zu signalisieren oder an einem Arbeitsgruppentreffen teilzunehmen, um erste Einblicke und Kontakte zu gewinnen. 

Wichtig ist dabei eine realistische Erwartungshaltung. Netzwerke wachsen nicht über Nacht. Vertrauen, Verlässlichkeit und gegenseitiger Nutzen sind entscheidend. Kleine gemeinsame Projekte, etwa Fallserien, Registerbeiträge oder retrospektive Analysen, eignen sich gut, um eine Zusammenarbeit aufzubauen. Gelingt dies, entstehen daraus nicht selten weiterführende Forschungsfragen, multizentrische Studien oder langfristige Kooperationen. 

Nicht zuletzt bieten Fachgesellschaften wie die DDG mit ihren Arbeitsgruppen, Sektionen und Nachwuchsinitiativen eine institutionell verankerte Plattform für Vernetzung. Sie erleichtern es, thematisch passende Ansprechpartner zu finden, und geben Forschung einen organisatorischen Rahmen. Gerade für Weiterbildungsassistenten ist dies eine große Chance, früh Teil einer wissenschaftlichen Community zu werden und Forschung als integralen Bestandteil der eigenen Weiterbildung zu erleben. 

Zusammenfassend gilt: Netzwerke und Kooperationen sind kein „Extra“, sondern ein zentraler Baustein moderner dermatologischer Forschung. Strukturen wie Arbeitsgruppen und Kooperationen machen wissenschaftliches Arbeiten effizienter, praxisnäher und nachhaltiger. Wer früh beginnt, sich einzubringen und Zusammenarbeit aktiv zu suchen, verbessert nicht nur die eigenen Forschungsbedingungen, sondern legt auch den Grundstein für die eigene langfristige fachliche und akademische Entwicklung. 

Wenn ihr euch für wissenschaftliches Arbeiten in der Dermatologie interessiert, Fragen zur Vernetzung habt oder Orientierung für euren nächsten Schritt sucht, sprecht mich gerne an. Ich freue mich besonders über den persönlichen Austausch mit euch. Eine gute Gelegenheit dazu bieten die Talkrunden im Rahmen der Kompakt und Praxisnah im Februar dieses Jahr in Leipzig. In diesem geschützten, offenen Format ist Raum für Fragen, Diskussionen und ehrlichen Erfahrungsaustausch – ganz ohne Hürden oder Erwartungsdruck. Nutzt diese Möglichkeit gerne, unter anderem mit Prof. Evelyn Gaffal und mir ins Gespräch zu kommen, Unsicherheiten anzusprechen und erste Ideen weiterzudenken. Oft ist genau dieser direkte Austausch der entscheidende Impuls, um Ideen und Fragestellungen greifbar und machbar werden zu lassen. 

Beste Grüße, Regina Havenith 

 

Referenzen: 

derma.de/ddg/arbeitsgruppen-kooperationen 

derma.de/forum-akademische-lehre