Ich wusste eigentlich schon sehr lange, dass ich mich irgendwann selbstständig machen möchte. Das war nie eine spontane Idee, kein diffuses „Vielleicht mal“. Eher so ein Dauerwissen im Hintergrund. Wie ein Sauerteigstarter den man angesetzt hat und den man dann einige Zeit ruhen lassen muss, bis er taugt für das erste eigene Brot.
Die eigentliche Entscheidung war also nicht ob, sondern wann. Und vor allem: Wann hört man auf, darüber zu reden – und fängt an, es zu machen?
Nach der Facharztprüfung war plötzlich genau dieser Moment da. Das Gefühl: Jetzt wäre eigentlich der logische Zeitpunkt. Wenn nicht jetzt, wann dann? Ab diesem Punkt verschiebt sich die Fragestellung. Man denkt nicht mehr theoretisch, konkret: Was ist eigentlich der erste Schritt? Und genau da wird es plötzlich unübersichtlich. Denn sobald klar ist: Ich mache das jetzt, kommen sie alle auf einmal. Die Fragen, die man sich vielleicht schon lange im Hintergrund gestellt hat, drängen nach vorne und nehmen ordentlich Raum ein – inklusive gedanklichem Kopfchaos:
- Übernehmen oder neu gründen?
- Kassenzulassung oder reine Privatpraxis?
- Alleine oder mit jemandem zusammen?
- Und wenn zusammen: mit wem – fachlich und menschlich?
- Wo überhaupt?
Und ganz nebenbei läuft immer diese leise Meta-Frage mit:
Was kann ich eigentlich richtig gut – und wie baue ich genau darauf etwas Eigenes auf?
Irgendwann muss man dann mal akzeptieren, dass man nicht alles gleichzeitig entscheiden kann. Der erste Schritt ist nicht, das komplette Konzept festzulegen. Der erste Schritt ist, sich innerlich festzulegen: Ich höre auf zu planen und fange an zu handeln!
In meinem Fall war dieser erste echte Schritt überraschend banal – aber emotional trotzdem sehr relevant. Ein großer Meilenstein. Ich habe meine ehemaligen Chefs angerufen und gesagt, dass ich nicht zurückkomme. Dass ich nach der Facharztprüfung nicht wieder in die Anstellung gehe, sondern meinen eigenen Weg einschlage. Der Moment war eine Woche nach Neujahr plötzlich einfach da. Ich hab es gespürt, dass es jetzt richtig ist und ich bereit bin. Also bin ich zum Telefon gegangen und hab sie angerufen, alle hintereinander.
Die richtigen Worte und vor allem die richtige innere Haltung hatten sich sortiert, und es war erstaunlich einfach, den passenden Ton zu treffen. Und es waren schöne, sehr kollegiale, warme und freundschaftliche Gespräche. Mir wurden gleich einmal viele gute Tipps und Ratschläge mit auf den Weg gegeben. Konkurrenzgefühle sind in unserer Branche ohnehin fehl am Platz. Es gibt genug – oft sogar zu viele – Menschen, die die Hilfe eines Hautarztes brauchen.
Für mich war das auch ein guter Reminder: Es ist entscheidend, mit welchen Menschen man sich umgibt. Sei wohlwollend, offen und schaffe dir ein Umfeld aus Gleichgesinnten – und es geht dir gut. Ganz im Sinne des Kantschen Imperativs. Gründen beginnt nicht mit dem perfekten Konzept, sondern mit dem ersten Schritt. Und der ist unspektakulär: Jemandem sagen, dass man es jetzt wirklich macht.
Alles Weitere entwickelt sich danach. Schritt für Schritt. Bei mir folgten die ersten To-do-Listen, viele Gespräche, Termine. Und wie immer spielt auch das unplanbare Leben eine größere Rolle, als man denkt… aber dazu mehr in meinem nächsten Blog ;-)
Eure Jasmin
