Mehr Sicherheit durch moderne, dermatologische Fortbildung Skin of Color: Warum diese Fortbildung alles verändert.

Skin of Color ist im dermatologischen Alltag längst angekommen, in der Ausbildung jedoch oft unterrepräsentiert. Die JuDerm-Fortbildung schließt diese Lücke mit praxisnahen Inhalten und unserem innovativen CME-Modul. Warum das für junge Dermatologen entscheidend ist und wie sich Diagnostik und Therapie dadurch verbessern, zeigt euch dieser Beitrag.

Dermatologie neu denken: Warum Fortbildung zu „Skin of Color“ jetzt entscheidend ist und was unser JuDerm CME-Modul für euch leistet

Die Dermatologie befindet sich im Wandel. Nicht nur durch neue Therapien, sondern auch durch veränderte Patientenstrukturen steht unser Fach im Wandel. In einer zunehmend diversen Gesellschaft wird es immer wichtiger, Hauterkrankungen bei unterschiedlichen Hauttypen sicher zu erkennen und auch zu behandeln. Genau hier zeigt sich jedoch eine zentrale Schwäche der bisherigen ärztlichen Ausbildung. Das Thema „Skin of Color“ (SoC) ist nach wie vor unterrepräsentiert. Genau an diesem Punkt setzt unser JuDerm Webinar an. Mit Hilfe von Dr. Rashmi Singh haben wir hier eine relevante Lücke geschlossen. Die Dermatologin war unsere Referentin im letzten Webinar und war auch inhaltlich wesentlich an der Konzeption des CME-Moduls beteiligt. Unser gemeinsamer Auftrag lautet: mehr Sicherheit im Umgang mit dermatologischer Vielfalt.

Dass es sich bei Skin of Color nicht um ein Nischenthema handelt, wird bereits zu Beginn der Fortbildung deutlich. Rund 26 % der Bevölkerung in Deutschland haben einen Migrationshintergrund und damit häufig auch Hauttypen, die im klassischen dermatologischen Curriculum nur unzureichend berücksichtigt werden (1).

Gleichzeitig fühlen sich 65 % der  Dermatologen unsicher in der Diagnostik bei SoC, und sogar 76 % bewerten ihre Ausbildung in diesem Bereich als schlecht (2). Diese Zahlen sind mehr als eine Momentaufnahme, denn sie spiegeln ein strukturelles Problem wider. Die Folgen davon sind auch im klinischen Alltag spürbar. Erkrankungen können später erkannt werden, werden häufiger falsch eingeordnet und verlaufen dadurch oft schwerer. Für die betroffenen Patienten bedeutet das nicht nur eine medizinische, sondern auch eine erhebliche psychosoziale Belastung. Gerade wir jungen Ärztinnen und Ärzte stehen hier vor einer Herausforderung, auf die wir im Studium und in der Weiterbildung oft nicht ausreichend vorbereitet werden.

 

Mehr als Hautfarbe: Was „Skin of Color“ wirklich bedeutet

Dabei ist ein zentraler Gedanke der Fortbildung, dass Skin of Color eben weit mehr umfasst als „nur“ eine dunklere Hautfarbe. Der Begriff beschreibt eine Gruppe von Hauttypen mit erhöhtem Melaningehalt und schließt Menschen unterschiedlichster Herkunft ein, beispielsweise afrikanische, asiatische, lateinamerikanische oder nahöstliche Populationen.

Dabei spielen nicht nur genetische Faktoren eine Rolle. Auch Umweltbedingungen, klimatische Einflüsse und individuelle Anpassungsprozesse beeinflussen das Hautbild. Diese Komplexität macht einmal mehr deutlich, warum einfache Kategorisierungen oft zu kurz greifen. Für die klinische Praxis bedeutet das vor allem eines: verallgemeinernde, standardisierte Denkweisen müssen hinterfragt werden. Jede Patientin und jeder Patient erfordert eine individuelle Betrachtung, insbesondere in der Dermatologie, wo visuelle Diagnostik eine zentrale Rolle spielt.

Ein besonders eindrückliches Beispiel für die Unterschiede in der klinischen Präsentation ist das Erythem. Während Entzündungen bei heller Haut typischerweise als Rötung sichtbar sind, erscheinen sie bei Skin of Color häufig violett, grau oder dunkelbraun. Diese scheinbar kleine Differenz hat große Auswirkungen. Eine entzündliche Aktivität wird leicht unterschätzt, Scores fallen zu niedrig aus und Therapien werden möglicherweise zu spät (oder zu zurückhaltend!) eingeleitet.

Die Fortbildung vermittelt hier konkrete Strategien, um diese Fehler zu vermeiden. Dazu gehört etwa die stärkere Betonung der Palpation, da entzündliche Infiltrate oft besser tastbar als sichtbar sind. Auch Lichtverhältnisse und Bilddokumentation spielen eine größere Rolle, als einem bewusst ist. Solche Anpassungen wirken auf den ersten Blick total einfach, haben aber das Potenzial, die diagnostische Sicherheit erheblich zu verbessern.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die kritische Auseinandersetzung mit etablierten Klassifikationssystemen. Die Fitzpatrick-Skala ist in der Dermatologie weit verbreitet, wurde jedoch ursprünglich zur Einschätzung der UV-Empfindlichkeit entwickelt. Wusstet ihr das? Somit wird in der Fortbildung deutlich, dass ihre Anwendung auf andere Bereiche, wie etwa das Risiko für postinflammatorische Hyperpigmentierung oder das Therapieansprechen, problematisch sein kann. Hauttypen mit gleicher Fitzpatrick-Klassifikation können sich nämlich klinisch sehr unterschiedlich verhalten.

Stattdessen rücken andere Faktoren in den Fokus, etwa die individuelle Entzündungsreaktion, die Barrierefunktion der Haut oder die Neigung zu Pigmentveränderungen. Diese Perspektive erweitert den diagnostischen Blick und hilft, Patienten differenzierter zu beurteilen.

Besonders anschaulich wurde die Fortbildung durch zahlreiche Fallbeispiele, die zeigen, wie sich bekannte Erkrankungen bei Skin of Color verändern.

Die Atopische Dermatitis kann sich beispielsweise milder präsentieren, mit weniger sichtbarer Schuppung, dafür aber stärkerer Pigmentveränderung. Psoriasis vulgaris erscheint nicht immer klassisch erythematös, sondern häufig violett oder dunkelbraun und wird daher leicht mit Ekzemen verwechselt.

Auch Erkrankungen wie Rosazea werden bei dunkleren Hauttypen oft übersehen, da typische Gefäßveränderungen weniger sichtbar sind. Gleichzeitig spielt bei vielen Erkrankungen die postinflammatorische Hyperpigmentierung eine deutlich größere Rolle, sowohl diagnostisch als auch therapeutisch.

Diese Beispiele verdeutlichen, wie wichtig es ist, über das klassische Lehrbuchwissen hinauszugehen. Ein häufig unterschätzter Aspekt ist die Kenntnis physiologischer Normvarianten bei SoC. In der Fortbildung werden typische Befunde wie „Pigmentary Demarcation Lines“, orale Pigmentierungen oder benigne Melanonychie vorgestellt.

Diese können leicht als pathologisch fehlinterpretiert werden. Dabei bedürfen sie gar keiner Folgebehandlung.

Die Fortbildung vermittelte daher nicht nur Krankheitsbilder, sondern auch ein Gefühl für das „Normale“. Denn nur wer die Vielfalt physiologischer Erscheinungen kennt, kann pathologische Veränderungen sicher erkennen und einordnen.

 

Ausbildungslücken als strukturelles Problem

Die dargestellten Herausforderungen sind kein individuelles Versagen, sondern Ausdruck struktureller Defizite. Lehrmaterialien enthalten nur einen sehr geringen Anteil an Bildern von Skin of Color, verbindliche Curricula fehlen und auch Leitlinien berücksichtigen Hautvielfalt oft nur unzureichend.

Diese Lücken setzen sich in der Weiterbildung fort und führen zu Unsicherheiten im klinischen Alltag. Genau hier setzt das JuDerm Webinar an, indem es gezielt Inhalte vermittelt, die bislang zu kurz kommen.

Ein weiteres zentrales Element des Webinars ist das CME-Modul. Dieses Konzept setzt bewusst auf fallbasiertes Lernen und unterscheidet sich damit deutlich von klassischen Vortragsformaten. Komplett online und anhand von konkreten klinischen Situationen werden Diagnostik und Therapie bei SoC schrittweise erarbeitet.

Klinisches Denken wird im Online-Tool nicht isoliert vermittelt, sondern immer auch anwendungsbezogen veranschaulicht, genau wie im Webinar. Gerade beim Thema Skin of Color ist dieser Ansatz besonders passend, denn viele diagnostische Unsicherheiten entstehen nicht durch fehlendes Faktenwissen, sondern durch mangelnde Erfahrung. Unser Fazit: Genau diese Kombination aus praxisbezogenem Webinar und Selbststudium macht besonders dieses JuDerm-Fortbildungsthema zu einem Beispiel für die Zukunft der ärztlichen Weiterbildung.

In einer Zeit, in der medizinisches Wissen immer komplexer wird, reicht es nicht mehr aus, Inhalte „nur“ passiv frontal zu vermitteln. Es braucht mehr Formate, die aktives Lernen fördern und die Vielfalt der Realität abbilden.

Für uns junge Dermatologen schafft eine Fortbildung nur dann einen klaren Mehrwert, wenn wir zum einen in einer zunehmend diversen Gesellschaft neutral, aber zum anderen auch diagnostisch sicher bleiben. Natürlich möchten wir unsere Patienten individuell und kultursensibel betreuen. In einer „bunten“ Gesellschaft ist genau das eine zentrale Kompetenz. Nur wer Vielfalt versteht, kann auch die Versorgung verbessern.

Eine moderne Dermatologie braucht neue Perspektiven und genau das schafft JuDerm. Das nächste Webinar ist in Planung, also bleibt gespannt. Denn am Ende gilt: Gute Medizin beginnt mit dem Verständnis für die Vielfalt der Menschen, die wir behandeln.

 

BK


Quellen:

(1) Alpagut, C., Volberg, C., Hertl, M., Krönig, L. and Gschnell, M. (Februar 2025), Dermatologische Diagnostik bei Patient*innen mit „skin of color“ – Wie sicher fühlen sich deutsche Dermatolog*innen? Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen, 192: 28-35. doi.org/10.1016/j.zefq.2024.11.011

(2) Gregersen, D. M. and Elsner, P. (November 2021), Ethnische Diversität in deutschsprachigen Dermatologielehrbüchern: Ist sie vorhanden und wie wichtig ist diese? ein Mini-Review. JDDG: Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, 19: 1582-1590. doi.org/10.1111/ddg.14543_g