Spezial: Jasmin gründet - Teil 4 Wie finanziert man das alles? Warum gute Beratung und Netzwerk oft entscheidend sind

Ob Praxisübernahme oder Neugründung – früher oder später kommt bei jeder Selbstständigkeit eine ganz praktische Frage: Wie finanziert man das eigentlich alles? Geräte, Umbau, Einrichtung oder Ablösesummen können schnell hohe Beträge erreichen. Welche Möglichkeiten es gibt, warum Banken Ärzte oft gern finanzieren und weshalb ein gutes Netzwerk manchmal der wichtigste Kompass im Finanzierungsdschungel ist, erzähle ich in diesem Artikel.

Im Medizinstudium lernt man vieles: Diagnostik, Therapie, Pharmakologie. 

Was man allerdings nicht lernt, ist etwas ganz anderes: Wie man eine Arztpraxis finanziert. 

Und genau diese Frage stellt sich plötzlich, sobald der Gedanke an die eigene Praxis konkret wird.  

Denn eine Praxis entsteht nicht aus dem Nichts. Geräte müssen angeschafft werden, Räume umgebaut, Möbel gekauft, IT installiert, Versicherungen abgeschlossen. Bei einer Praxisübernahme kommt häufig noch eine Ablösesumme für den bestehenden Patientenstamm oder das Inventar hinzu. 

Kurz gesagt: Bevor der erste Patient die Tür öffnet, hat man meist bereits eine beachtliche Investition vor sich. 

 

Banken finanzieren Ärzte erstaunlich gern 

Die gute Nachricht ist: Banken finanzieren Ärzte in der Regel sehr gern. 

Medizin gilt aus Sicht der Kreditinstitute als vergleichsweise stabile Branche. Praxen haben oft eine solide wirtschaftliche Grundlage und Ärztinnen und Ärzte gelten statistisch als zuverlässige Kreditnehmer. 

Trotzdem ist Bank nicht gleich Bank. 

Es gibt Institute, die sich besonders auf medizinische Berufe spezialisiert haben. In Deutschland ist die bekannteste sicher die ApoBank, die Deutsche Apotheker- und Ärztebank. Aber auch viele andere Banken haben mittlerweile eigene Abteilungen für Heilberufe. 

Der Vorteil solcher spezialisierten Banken: 

Sie kennen die typischen Investitionen, Praxisabläufe und Finanzierungsmodelle sehr genau. 

Der Nachteil: 

Manchmal lohnt es sich trotzdem, mehrere Angebote einzuholen – einfach um ein Gefühl für Konditionen und Möglichkeiten zu bekommen. 

 

Zufall, Netzwerk und gute Tipps 

In meinem eigenen Fall spielte – wie so oft im Leben – auch ein wenig Zufall eine Rolle. 

Als ich durch Zufall in einem Ärztehaus auf Räumlichkeiten aufmerksam wurde, die für eine Praxis infrage kamen, lernte ich dort einen sehr erfahrenen Kollegen kennen. Und damit waren wir wieder bei einem Thema, das in meiner Gründungsreise immer wieder eine große Rolle gespielt hat: Networking. 

Dieser Kollege hatte selbst schon viele Jahre Praxiserfahrung und konnte mir wertvolle Hinweise geben – nicht nur zur Praxis, sondern auch zu Finanzierung und Organisation. 

Und genau solche Gespräche sind unglaublich wertvoll. 

Es lohnt sich immer, auf diejenigen zu hören, die einen Weg bereits gegangen sind. Viele von ihnen haben Fehler gemacht, Entscheidungen hinterfragt, Dinge optimiert – und dieses Wissen teilen sie oft erstaunlich gern. 

Das ist übrigens auch ein guter Grund, warum Fortbildungen, Kongresse oder Fachgesellschaften so wichtig sind. Natürlich geht es dort um medizinisches Wissen. Aber genauso wichtig sind die Gespräche am Rande. 

Denn die meisten Probleme, die man selbst gerade zum ersten Mal erlebt, haben andere schon längst einmal gelöst. 

 

Der Finanzierungsdschungel 

Durch diesen Kollegen bekam ich schließlich den Tipp, mit einer spezialisierten Ärzteberatung zu arbeiten. 

Und das war tatsächlich ein echter Augenöffner. 

Denn die Themen rund um Praxisgründung sind deutlich komplexer, als man zunächst denkt: 

  • Finanzierung und Kreditstruktur 

  • Versicherungen und Absicherung 

  • Leasingmodelle für Geräte 

  • steuerliche Planung 

  • Auswahl eines geeigneten Steuerberaters 

  • Gespräche mit Banken 

  • Vorbereitung auf Gespräche mit dem Finanzamt 

All das hängt miteinander zusammen und kann für jemanden, der eigentlich Medizin studiert hat, schnell zu einem ziemlich undurchsichtigen Dschungel werden. 

Genau hier setzen solche Beratungen an. 

Sie begleiten Ärztinnen und Ärzte durch den gesamten Prozess der Gründung oder Übernahme. Viele dieser Berater haben bereits hunderte oder sogar tausende Praxisgründungen begleitet. 

Sie wissen also sehr genau: 

  • welche Fehler häufig passieren 

  • wo typische Stolpersteine liegen 

  • welche Finanzierungskonzepte funktionieren 

  • und welche Entscheidungen später teuer werden können 

 

Wer bezahlt die Beratung? 

Eine Frage, die dabei oft aufkommt: Kostet das nicht unglaublich viel? 

Die Antwort ist: teilweise – aber anders, als man denkt. 

Viele Ärzteberater werden nicht direkt vom Gründer bezahlt, sondern über Provisionen der Vertragspartner. Das können zum Beispiel Banken, Versicherungen oder Leasinggesellschaften sein. 

Natürlich verdienen auch diese Berater ihr Geld – und das ist auch völlig legitim. Trotzdem gibt es durchaus sehr gute Berater, die mit vielen verschiedenen Banken und Versicherungen arbeiten und dadurch relativ unabhängig beraten können. 

Und irgendwann kommt ein Punkt, an dem man akzeptieren muss: Man kann nicht alles selbst perfekt prüfen. 

 

Vertrauen gehört auch dazu 

Gerade bei einer Praxisgründung ist es verlockend, jede Entscheidung endlos zu analysieren. 

Man vergleicht Angebote, liest Verträge, spricht mit Freunden, googelt nächtelang und versucht, wirklich jede Eventualität auszuschließen. 

Aber irgendwann merkt man: Wenn man jedem misstraut und alles bis ins Letzte hinterfragt, wird das Projekt schnell zu einem Sisyphos-Unterfangen. 

Man rollt den Stein immer wieder den Berg hinauf – und kommt trotzdem nicht wirklich voran. 

Irgendwann braucht es deshalb auch Vertrauen. 

In gute Beratung. 

In die Erfahrung anderer. 

Und ein Stück weit auch in die eigene Entscheidung. 

 

Was mir besonders geholfen hat 

Wenn ich heute zurückblicke, waren drei Dinge besonders wertvoll: 

  • Gespräche mit Kollegen, die den Weg bereits gegangen sind 

  • eine strukturierte Beratung durch Menschen mit Erfahrung in Praxisgründungen 

  • und die Bereitschaft, nicht alles allein lösen zu müssen 

Denn am Ende hat niemand von uns das Rad neu erfunden. 

Viele vor uns haben einmal klein angefangen – mit einer Idee, einer Praxis und einer Finanzierung. 

Und genau deshalb lohnt es sich, zuzuhören. 

Man spart sich damit manchmal nicht nur Zeit, sondern auch den einen oder anderen Fehler. 

 

Eure Jasmin!