Teil II: Von der Veterinär- zur Humanmedizin - Interview mit Dr. Dr. Jasmin Schießl
Jasmins Lebenslauf ist beispielhaft für einen hochgradig interdisziplinären medizinischen
Werdegang. Ihre Doppelqualifikation, wissenschaftliche Tiefe und klinische Erfahrung
machen sie deswegen zu so einer besonderen Stimme innerhalb der Dermatologie:
„Hallo Jasmin, wie war dein beruflicher Weg vom veterinär- zum Medizinstudium?“
„Mein Weg war nicht klassisch. Ich hatte ein Abitur von 3,4 und musste deshalb zunächst auf einen Studienplatz warten.“ Über eine Tätigkeit in einer Tierarztpraxis kam sie zur Veterinärmedizin in Wien, und das ohne klassischen NC, über ein Aufnahmeverfahren. Dort lief das Studium hervorragend: „Ich habe in Mindeststudienzeit studiert und wurde von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert.“ Der Wunsch nach Humanmedizin blieb und wurde Realität: „Ich habe Humanmedizin parallel studiert, mein Veterinärmedizindoktorat abgeschlossen und innerhalb von sechs Jahren Humanmedizin beendet. In dieser Zeit sind auch meine drei Kinder geboren.“
„Warum hast du den Wechsel gemacht – und warum Dermatologie?“
Jasmins Worte treffen den Nagel auf den Kopf: „Ich glaube tatsächlich, dass Humanmedizin eher eine Berufung als nur ein Beruf ist.“ Ihre Entscheidung für die Dermatologie war pragmatisch und lebensnah: „Man sieht schnell Erfolge, man kann sehr konkret helfen, vieles ist sichtbar und gleichzeitig ist es ein kleines operatives Fach.“
„Welche dermatologischen Kenntnisse lassen sich aus der Tiermedizin übertragen?“
„In der Tiermedizin lernt man, extrem genau zu beobachten, weil man mit seinem Patienten nicht sprechen kann.“ Diese geschulte Wahrnehmung und das systemische Denken (Haut, Stoffwechsel, Immunsystem, Umwelt) prägen auch ihre dermatologische Arbeit.
„Gab es fachliche Bereiche, in denen du schneller gelernt hast als andere?“
Jasmin lacht: „Die Anatomie war für mich praktisch geschenkt.“ Sie beschreibt das Humanmedizinstudium in Teilen als Übersetzungsleistung. Verrückt, wie Wissen ergänzend sein kann.
„Wie unterscheiden sich Tiermedizin und Humanmedizin im Umgang mit Patienten?“
„In der Tiermedizin ist der Ansprechpartner ein gesunder Mensch, der eine Dienstleistung in Anspruch nimmt.“ Sie erklärt weiterhin, dass in der Humanmedizin das Gegenüber selbst hilfsbedürftig ist. Das verändere Haltung, Kommunikation und Verantwortung grundlegend.
„Welche praktischen Skills konntest du direkt übertragen?“
Jasmin wird deutlich: „Ganz klar die manuelle Fingerfertigkeit.“ Hinzu kommen wohl Geduld, Ruhe und Präzision unter erschwerten Bedingungen. Alles Fähigkeiten, die sich direkt in die Dermatologie übertragen lassen. Aber sie betont einen entscheidenden ethischen Unterschied: „In der Veterinärmedizin entscheidet häufig der finanzielle Rahmen darüber, ob eine Behandlung durchgeführt wird. Für sie war es oft schwer auszuhalten, das medizinisch Mögliche nicht umsetzen zu dürfen.
„Welchen Rat würdest du jemandem geben, der ein zweites Studium erwägt?“
„Man sollte sich seine Grenzen nicht zu früh selbst setzen.“ Flexibilität, Kreativität und Gelassenheit seien entscheidender als perfekte Bedingungen. Vieles habe sie am Handy gelernt: im Café, auf dem Spielplatz, nachts.
Fazit: Warum diese Wege unser Fach stärken
Diese beiden Biografien zeigen eindrucksvoll: Dermatologie profitiert von Vielfalt. Kunst, Tiermedizin, Technik oder Wirtschaft, all diese Perspektiven erweitern unser Denken, unsere Kommunikation und unsere medizinische Praxis. Für JuDerm bedeutet das: Innovation beginnt nicht nur bei Technologien, sondern bei Menschen, die bereit sind, ungewöhnliche Wege zu gehen. Und genau diese Wege brauchen wir, um die Dermatologie der Zukunft aktiv mitzugestalten.
BKroh