Kleine Forschungsfragen, großer Mehrwert im Klinikalltag Wissenschaft neben der Weiterbildung: Lässt sich Forschung in den Alltag integrieren?

Zwischen Klinikalltag, Diensten und Prüfungsdruck bleibt kaum Zeit für Forschung – oder doch? Dieser Beitrag zeigt, wie wissenschaftliches Arbeiten auch in der dermatologischen Weiterbildung pragmatisch gelingt: mit Alltagsfragen, kleinen Projekten und realistischem Zeitaufwand. Forschung als Werkzeug, nicht als Zusatzbelastung.

Die dermatologische Weiterbildung ist intensiv. Zwischen Stationsarbeit, Ambulanz, OP, Bereitschaftsdiensten und Prüfungsdruck bleibt oft kaum Zeit für zusätzliche Projekte. Gleichzeitig tauchen im Alltag immer wieder Fragen auf wie: „Soll ich wissenschaftlich arbeiten? Bringt mir das etwas für die Weiterbildungszeit oder die Facharztprüfung?“ Und wie soll ich das neben der regulären Arbeit überhaupt leisten? Genau hier kann ein pragmatisches Verständnis von Wissenschaft ansetzen und den Einstieg erleichtern. 

„Soll ich in der Weiterbildung forschen?“ 

Formell ist wissenschaftliches Arbeiten keine zwingende Voraussetzung für den Facharzttitel. Dennoch profitieren viele WBA davon, sich wissenschaftlich zu engagieren – nicht aus Pflicht, sondern aus fachlichem Interesse. Wissenschaftliches Denken hilft, Leitlinien kritisch zu hinterfragen, Therapieentscheidungen besser zu begründen und sich im Fach sicherer zu bewegen. Forschung ist damit kein Muss, sondern ein sinnvolles Werkzeug. 

Forschung beginnt mit alltäglichen Fragen 

Viele typische Weiterbildungsfragen eignen sich direkt als wissenschaftliche Fragestellungen. Hier einige Beispiele aus der dermatologischen Praxis: 

  • Warum sprechen manche Patienten mit atopischer Dermatitis schlechter auf Dupilumab an als andere? 

  • Wie häufig brechen Patienten Biologika-Therapien in unserer Ambulanz ab – und warum? 

  • Welche Kontaktallergene sind in unserer Region aktuell am häufigsten verbreitet? 

Solche Fragen entstehen im klinischen Alltag. Werden sie systematisch betrachtet, können daraus Fallserien oder retrospektive Analysen entstehen – klassische Einstiegsprojekte, auf die sich später auch aufbauen lässt. 

„Ich bin noch nicht weit genug – darf ich überhaupt forschen?“ 

Dieses Gefühl ist weit verbreitet. Dabei ist gerade die Weiterbildung eine ideale Phase für wissenschaftliches Arbeiten. Wir sind nah an Patienten, dokumentieren viel und sehen Therapieverläufe über längere Zeiträume. Typische Einstiegsformate sind: 

  • Fallberichte bei ungewöhnlichen Tumorverläufen oder seltenen Nebenwirkungen 

  • Retrospektive Auswertung  

  • Analyse von Therapieerfolgen bei Akne, Psoriasis oder Rosazea 

Niemand erwartet hier direkt komplexe Studiendesigns. Wichtig sind saubere Dokumentation, eine klare Fragestellung und Rücksprache mit erfahrenen Kollegen, die sich immer über Engagement freuen. 

„Wie soll ich das zeitlich schaffen?“ 

Eine der häufigsten Fragen in der Weiterbildung ist die nach der Zeit. Wissenschaft erfordert jedoch nicht zwingend freie Tage oder Forschungsmonate. Bereits wenige Stunden pro Woche können ausreichen, um Literatur zu sichten oder Beobachtungen festzuhalten. Wer sich nach der Ambulanz kurz Notizen zu auffälligen Fällen macht, legt bereits den Grundstein für spätere Projekte. Kontinuität ist oft entscheidender als Intensität. 

„Brauche ich dafür eine Uniklinik?“ 

Kurz gesagt - Nein. Auch in nicht-universitären Häusern und Praxen ist wissenschaftliches Arbeiten möglich und regelhaft etabliert. Viele Projekte basieren auf vorhandenen Patientendaten oder klinischen Beobachtungen. Kooperationen mit Universitätskliniken, Fachgesellschaften oder bestehenden Registern können zusätzlich unterstützen. Wichtig ist, aktiv nach Möglichkeiten zu fragen und wissenschaftliches Interesse sichtbar zu machen. 

Wissenschaft als Lernhilfe für die Facharztprüfung 

Ein oft unterschätzter Aspekt: Wissenschaftliches Arbeiten unterstützt die Vorbereitung auf die Facharztprüfung. Wer Studien liest, Daten auswertet oder selbst schreibt, verankert Wissen nachhaltiger. Leitlinien werden verständlicher, Therapieentscheidungen klarer begründbar. Forschung ersetzt keine Prüfungsvorbereitung, kann sie aber sinnvoll ergänzen. 

Fazit 

Viele typische Weiterbildungsfragen sind bereits der Ausgangspunkt für wissenschaftliches Arbeiten. Wer beginnt, diese Fragen strukturiert zu betrachten, betreibt Forschung – auch ohne Mammutprojekt. Wissenschaft in der dermatologischen Weiterbildung muss kein zusätzlicher Druck sein. Richtig integriert stärkt sie Fachkompetenz, Selbstvertrauen und Freude an unserem schönen Beruf. 

Euer erster wissenschaftlicher Schritt muss kein großer Sprung sein – sondern ist vielleicht vielmehr eine bewusste Entscheidung, neugierig zu bleiben. 

In diesem Sinne - Frohes Schaffen! 

Eure Regina