Zusammenarbeit mit KVen

Wie es in den Wald hineinruft

Wohl eine der größten Herausforderungen stellt die Zusammenarbeit mit  den KVen dar: Es gilt nicht nur, jede Menge „Papierkram“ zu erledigen, sondern auch den richtigen Ton zu treffen und die jeweiligen Eigenheiten der KVen zu ertasten. Einen ersten Einblick in die Zusammenarbeit gibt Frau Karin Rettkowski von der KV Brandenburg in unserem Interview.

Portrait Fr Rettkowski
Karin Rettkowski:
Sachgebietsleiterin Bedarfsprüfung / Niederlassungsberatung
Unternehmensbereich 4 - Qualitätssicherung / Sicherstellung
Foto: ©KVBB

Wer ist für eine geplante Niederlassung als allererstes Ansprechpartner in der KV?

Für Ärzte, die sich in Brandenburg niederlassen wollen, ist die Niederlassungsberatung der KV Brandenburg der erste Ansprechpartner. Bei uns erhalten Sie alle wichtigen Informationen, unter anderem: Wie sieht die Versorgungssituation überhaupt aus? Wie läuft die Niederlassung ab? Welche Fördermöglichkeiten gibt es? Darüber hinaus fließen natürlich auch noch persönliche Ratschläge, Empfehlungen und Erfahrungen in die Beratung ein.

Welche Informationen braucht die KV vom Niederlassungswilligen?

Im Prinzip müssen die drei Ws geklärt werden: Wann möchten Sie die ärztliche Tätigkeit aufnehmen? Wo wollen Sie sich niederlassen? Wie möchten Sie praktizieren?

Bei der Frage nach dem Tätigkeitsbeginn gilt es beispielsweise zu beachten, dass dieser erst nach erfolgreicher Facharztprüfung und dem Eintrag ins Arztregister möglich ist. Die Wahl des Standortes ist mitentscheidend für den späteren Erfolg der Praxis. Deshalb muss besprochen werden, inwieweit jemand schon auf einen bestimmten Ort, eine bestimmte Region festgelegt ist oder ob es diesbezüglich Spielräume gibt. Und natürlich sollte man sich auch schon Gedanken über Ausrichtung und Leistungsspektrum der Praxis machen.

Wieviel Zeit muss vom Erstkontakt bis zur Erteilung aller notwendigen Genehmigungen durchschnittlich eingeplant werden?

Die Gründung oder Übernahme einer Praxis will sorgfältig vorbereitet sein. Deshalb sollten Sie schon von einer Vorbereitungszeit von einem bis anderthalb Jahren ausgehen. Sprechen Sie uns daher gern auch schon vor der Facharztprüfung an.

Welche Bedingungen müssen für eine komplette Neugründung erfüllt werden?

Bei einer Praxisneugründung gestalten Sie ihre berufliche Zukunft ganz nach Ihren Vorstellungen. Allerdings müssen Sie sich darüber im Klaren sein, dass eine Neugründung auch immer ein gewisses Risiko bedeutet. Es fallen Investitionskosten an. Es müssen geeignete Räume gefunden werden, qualifiziertes Personal. Zu guter Letzt bedeutet der Neuaufbau einer Praxis auch immer den Aufbau eines eigenen Patientenstammes. Das sollten Sie nicht unterschätzen.

Rein formal kann eine Praxis nur in Regionen neu gegründet werden, in denen es laut Bedarfsplanung auch noch Zulassungsmöglichkeiten gibt.

Welche Zulassungsbeschränkungen kann es durch die Bedarfsplanung geben?

Ab einem Versorgungsgrad von 110 Prozent gilt ein Planungsgebiet als überversorgt. Neue Ärzte dieser Fachgruppe können in der Region nicht mehr ambulant tätig werden. Sie ist für neue Zulassungen gesperrt. Wer dort tätig werden möchte, muss darauf warten, dass ein bereits ansässiger Arzt seine Praxis zur Nachbesetzung und Übernahme ausschreibt.

Welche Vorteile hat die Praxisübernahme?

Sie können sich – salopp gesagt – ins gemachte Nest setzen: Räume und Einrichtung sind vorhanden, die Praxis ist in der Region bekannt, die Patienten sind da, der Praxisbetrieb ist eingespielt und funktioniert. Im Idealfall können Sie für eine bestimmte Zeit auch noch mit dem Praxisabgeber zusammenarbeiten, um den Übergang fließend zu gestalten.

Was ist die Warteliste der KV und wann trägt man sich hier ein?

Wenn Sie sich in einer Region niederlassen wollen, die für Neuzulassungen gesperrt ist, tragen Sie sich in unsere Warteliste ein. Sie können sich sowohl für mehrere Regionen als auch für mehrere Fachgebiete eintragen, wenn Sie über mehrere Facharztabschlüsse verfügen. Der Eintrag ist kostenfrei. Voraussetzung dafür ist jedoch der Eintrag in unser Arztregister.

Das Eintragungsdatum in die Warteliste ist unter anderem ein Entscheidungskriterium im Nachbesetzungsverfahren bei der Praxisübernahme.

Achtung: Wird ein Vertragsarztsitz ausgeschrieben, gelten Sie jedoch nicht automatisch als Bewerber, nur weil Sie auf der Warteliste stehen. Sie müssen sich unabhängig davon für die jeweilige Ausschreibung bewerben.

Wie bzw. kann man zuverlässig und regelmäßig Informationen zu freiwerdenden Sitzen erhalten?

Alle in Brandenburg ausgeschriebenen Vertragsarztsitze werden monatlich auf unserer Homepage und in unserem Mitteilungsblatt „KV-Intern“ veröffentlicht.

Darüber hinaus können Interessenten jederzeit in unserer Praxisbörse online recherchieren oder sich mit ihrem Gesuch registrieren.

Was sind im Zulassungsausschuss die Kriterien zur Auswahl aus mehreren Bewerbern um einen Sitz?

Zu den gesetzlich vorgegebenen Kriterien gehören unter anderem:

  • das Approbationsalter
  • die Dauer der ärztlichen Tätigkeit seit Approbation
  • ob der Bewerber ein Ehegatte, Lebenspartner oder Kind des bisherigen Vertragsarztes ist,
  • ob er ein Angestellter oder Mitglied einer Berufsausübungsgemeinschaft mit dem Praxisabgeber ist
  • die Bereitschaft, besondere Versorgungsbedürfnisse, die in der Ausschreibung der KV definiert wurden, zu erfüllen
  • Belange von Menschen mit Behinderung beim Zugang zur Versorgung zu erfüllen.

Liebe junge Dermatologen, das sind aus meiner Sicht als Niederlassungsberaterin die ersten orientierenden Fragen, die Sie auf dem Weg in die eigene Niederlassung interessieren. Viele weitere werden noch folgen.

Suchen Sie den Kontakt zu uns und lassen Sie sich individuell beraten – wir begleiten Sie gern auf dem Weg in die eigene Praxis.

Karin Rettkowski

Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg
Körperschaft des öffentlichen Rechts (KdöR)
Pappelallee 5
14469 Potsdam

Telefon:
+49 331 2309-320

Telefax:
+49 331 2309-383

E-Mail:
krettkowski(at)kvbb(dot)de

Internet:
www.kvbb.de

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Tipp von JuDerm: Jede KV „tickt“ anders. Am besten, man wendet sich an einen JuDerm-Mentor oder einen Vertrauten aus der eigenen Umgebung, der sich bereits mit den Eigenheiten der jeweiligen KV auskennt.

Hier sind weitere Adressen von regionalen KVn zu finden.