Innovatives Lehrprojekt

Die auf unserem Videokanal präsentierten Lehrvideos sind im Rahmen eines innovativen Lehrprojektes an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel in Zusammenarbeit mit JuDerm entstanden. Als Leiterin des Lehrprojektes haben wir Prof. Dr. med. Regine Gläser, Dozentin der Universitäts-Hautklinik Kiel, ein paar Fragen zu Idee, Umsetzung und weiteren Plänen des Projektes gestellt.

am Rande der Dreharbeiten Lehrvideos
v.l.n.r.: Prof. Dr. med. Gläser, Dr. med. Bandholz, Patientin

JuDerm: Wie kamen Sie dazu, diese kleinen Lehrvideos zu drehen und wer oder was ist eigentlich PerLe?
Prof. Gläser: Der PerLe (Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen)-Fonds für Lehrinnovation fördert an der CAU(Christian-Albrechts-Universität zu Kiel) Vorhaben, die als „Best Practice-Beispiele“ Impulse für eine zukunftsweisende Hochschullehre geben. Hier kann man sich mit einer guten, richtungsweisenden Idee bewerben und so Fördergelder erhalten. Et voilà!

Fakt ist: Ein Großteil unserer Medizinstudenten wird später in der Niederlassung arbeiten. Daher sollten wesentliche Aspekte von Krankheitsbildern aus der Praxis, praxisrelevante Diagnose- und Therapieverfahren sowie die wichtige Interaktion von Praxis und Klinik inkl. der oft notwendigen Interdisziplinarität in der studentischen Lehre etabliert werden. Es liegt nahe, dies im Rahmen verschiedener neuer mediengestützter Lehrmodule umzusetzen, wie hier in den Videos. 2018 ergab zudem eine Umfrage bezüglich des Bedarfs solcher Lehroptionen zur Projektbeantragung und –planung bei Dermatologie-Studenten in Kiel in zwei unabhängigen Semestern großes Interesse.

Juderm: Wie muss man sich die Produktion vorstellen? Hat die Helferin einen Tag lang mit dem iPhone „draufgehalten“?
Prof. Gläser: Das war eine aufregende und für die Praxis absolut nicht alltägliche Sache! Ich hätte selber nie geahnt, wie viel Aufwand tatsächlich hinter so ein paar Minuten Video stecken. Für diesen Teil des Projektes habe ich deshalb auch die  Kooperation mit JuDerm gesucht. Ihr habt ja in den letzten Jahren schon eine ganze Menge an Erfahrung im „Filmgeschäft“ gesammelt. Vor Ort in Kiel habe ich mit Dr. Thyra Caroline Bandholz (Leitung JuDerm) die Filme konzipiert und die Drehbücher geschrieben. Die Beratung dazu und die Regie im OP hat dann Peter Müller (bei JuDerm u.a. verantwortlich für Medien-Design) geführt. Mit etwas Beleuchtung und Ton war es dann auch tatsächlich nicht getan. In die engen Behandlungsräume mussten neben uns Ärztinnen und den Patienten noch ein Kameramann, eine Assistentin und der Regisseur nebst Equipment passen, trotzdem durfte von keinem auch nur ein Schatten zu sehen sein. Oft waren unsere Hände im Bild und verdeckten das Wesentliche, so dass wir manchmal quasi „über Kopf“ bzw. mit einer „Kopfkamera“ operieren mussten, um freie Sicht auf das Operationsfeld zu bieten. So eine Situation verlangt einem schon einiges ab. Es wurde aber auch viel gelacht, viele Einstellungen mehrmals gedreht, dann immer wieder Umbau und natürlich den OP immer wieder neu vorbereiten. Alles in Allem hat das 5-köpfige Team zwei komplette Arbeitstage am Wochenende in den Praxisräumen verbracht, bis alles im Kasten war. Weitere vier Tage wurden benötigt, bis das erstellte Material geschnitten, vertont und nachbearbeitet war. Und die Vorbereitung mit Scripten und Drehbüchern, dem Rekrutieren geeigneter Patienten plus dazugehörenden Papierkram wollen wir auch nicht vergessen. Es waren insgesamt drei Kameras im Einsatz und natürlich ein paar Orangen, die ebenfalls als Modelle genutzt wurden ;-)
Wenn man sich nun anschaut, wie viele Personen allein involviert waren und wieviel Ausrüstung und Material gebraucht wurden, dann kann man sich auch vorstellen, warum wir PerLe- und JuDerm-Fördergelder in Anspruch genommen haben...

JuDerm: Wonach wurde entschieden, welche Handgriffe und Praktiken in den Videos dargestellt werden?
Prof. Gläser: Wir haben uns auf die häufigsten relevanten Untersuchungssituationen in der Praxis und die entsprechenden Techniken für Diagnostik und Therapie im praktisch-klinischen Alltag vorgenommen. Dazu gehörte in erster  Linie die systematische dermatologische Ganzkörperuntersuchung (GKU) im Rahmen des Hautkrebsscreenings (HKS), die standardisierte Abstrichentnahme nach dem „Essener Kreisel“ sowie die operativen Techniken Probebiopsie, Curettage und Exzision

JuDerm: Sie agieren in den Videos als sehr erfahrene Ärztin, jeder Handgriff sitzt. Wird dabei auch auf typische „Anfängerfehler“ eingegangen und wie man diese vermeiden kann?
Prof. Gläser: Wir zeigen in den Videos mit entsprechender Hintergrundinformation so kurz wie möglich und so ausführlich wie nötig die verschiedenen Techniken. Diskussion von häufigen Fehlern und individueller Spielraum bei den Techniken haben dann Raum in den Kursen mit unseren Studenten.

JuDerm: Wie viele weitere Videos zu welchen Themen sind geplant?
Prof. Gläser: Wir haben unsere zeitlich (und finanziell) eingeplanten Ressourcen für unser Lehrprojekt um ein Vielfaches überschritten. Daher wollen wir nun in den nächsten Monaten erst einmal die erarbeiteten Module anwenden und evaluieren sowie ihre Verbreitung unterstützen. Dann werden wir entscheiden, wie es weiter geht! Ideen sind reichlich für die nächste „Staffel“ vorhanden

JuDerm: Welche Bausteine gehören neben den Videos noch zu der Idee „Aus der(Haut-) Arztpraxis in den Hörsaal“?
Prof. Gläser: Aktuell in diesem Sommersemester gab es zwei neue Seminarvorlesungen mit spezifischen Diagnosen/Fällen aus der Praxis, Fällen, die die wichtige Interaktion von Praxis-Klinik-Praxis aufzeigen und Fällen mit interdisziplinärer Versorgung. Zur Umsetzung gehörte auch die  Präsentation der 10 (!) neuen Lehrvideos im Hörsaal sowie das Einspielen von Interviews z.B. mit einem betroffenen Akne-Patienten und einem Dozenten mit langjähriger Klinik- und Praxiserfahrung.
Darüberhinaus stellen wir erstmals  die Aufzeichnung diverser Vorlesungen mit einem Online-Zugriff der Lehrveranstaltungen über das interne Lehr-Netz der CAU in Kiel (OpenOLAT) sicher. Weiterhin gab es in den letzten beiden Semestern erstmalig das Angebot einer freiwilligen Tages-Hospitation in einer von 3 „Lehrpraxen“ bei Dozenten der Hautklinik Kiel. Dieses Angebot wurde bereits ebenfalls sehr gut auf- und wahrgenommen.

Drei zusätzliche freiwillige Lehrmodule wurden von uns mit studentischer Unterstützung durch Linda Marleen Wittbecker (studentische HIWI des PerLe-Projekts und Doktorandin der Hautklinik Kiel) und zwei weiteren Tutorinnen erarbeitet und realisiert:

1. Erlernen praktischer Fertigkeiten
Hierbei lernen die Studenten den Umgang mit klinischen Instrumenten kennen, um sie selbst sicher einsetzen zu können. Zudem sollen technische Fähigkeiten zu häufig durchgeführten diagnostischen Verfahren in der Dermatologie erlernt werden. Vorstellung verwendeter Hilfsmittel.

2. Psychosomatische Dermatologie
Ziel ist es hier, die Studierenden für die Komplexität der vielschichtigen begleitenden Belastungen von Patienten mit chronischen Hauterkrankungen zu sensibilisieren und Möglichkeiten aufzeigen, deren speziellen Bedürfnissen zu begegnen.

3. Online-Lernkarten
Hierbei geht es um die Einführung in die Erstellung elektronischer Lernkarten mit dem Programm anki.

 

Unser Fazit:
Frau Prof. Gläser und ihrem Team ist hier mit Hilfe von PerLe und JuDerm ein tolles, innovatives Lehrprojekt gelungen, das absolut Lust auf mehr macht! Wir freuen uns schon auf die nächsten Videos ...