Diagnose

Allergisches Kontaktekzem auf Efeu (Hedera helix L.)

Abbildung 3: Hedera helix L.

Therapie
Aufgrund der ausgeprägten und noch fortschreitenden Hauterkrankung wurde der Patient stationär aufgenommen und systemisch mit Prednisolon 120 mg intravenös in ausschleichender Dosierung behandelt. Topisch therapierten wir mit Mometason-Emulsion und -Creme. Hierunter kam es rasch zu einer deutlichen Besserung. Die allergologische Diagnostik erfolgte nach Abheilung nach zwei Monaten.
Allergologische Diagnostik
Aufgrund eines fehlenden Efeuextrakts in den Epikutantests Standard-Testreihen, erstellten wir eigene Substanzen aus dem Efeu des Patienten und Efeu vom Klinikgelände [ 1 ] . Die Epikutantestung auf der Haut des Patienten mit Efeu in Alkohol (Konzentration: 0,1 %) zeigte eine positive Reaktion nach 48 Stunden (Abbildung 2 a), nach 72 Stunden zeigte sich eine zweifach positive Reaktion (Abbildung 2 b). Des Weiteren applizierten wir einen Epikutantest mit Karotte (nativ) und Sellerie (nativ) in Vaseline, hier zeigte sich eine zweifach positive Reaktion auf Sellerie nach 48 und 72 Stunden (Abbildung 3 b).
Ein durchgeführter Epikutantest mit denselben Substanzen an der Haut von vier Probanden zeigte keine positive Reaktion.

Abbildung 2: Efeu des Patienten, 0,1 % in Alkohol; Ablesung 48 Stunden (a); Efeu des Patienten, 0,1 % in Alkohol, Ablesung 72 Stunden (b); Sellerie in Vaseline, Ablesung 72 Stunden (c).

Diskussion
Wir berichten über einen Patienten mit im Epikutantest gesichertem allergischem Kontaktekzem auf Efeu. Efeu (Hedera helix L.) kann sowohl irritative und toxische als auch allergische Kontaktekzeme hervorrufen [ 2 ] .
       Neben der Krankengeschichte spricht der Crescendoverlauf der Reaktion zwischen Tag drei und vier nach Exposition für eine allergische und nicht für eine toxische Reaktion. Die negative Reaktion des Epikutantests an vier Kontrollpersonen spricht für die Spezifität der Epikutantestungen auf Efeu bei unserem Patienten [ 3 ] .
       Efeu (Abbildung 3 ) ist als Kletter- und Topfpflanze weit verbreitet. Nach einer Sensibilisierungsphase können bei erneuter Exposition Kontaktekzeme in Erscheinung treten. Es wurden bereits einzelne Fälle in der Literatur beschrieben, es wird jedoch davon ausgegangen, dass bei Verdacht auf eine mögliche Efeuallergie die Anzahl der diagnostizierten Efeuallergien aufgrund der fehlenden standardisierten diagnostischen Möglichkeiten unterrepräsentiert ist [ 4, 5 ] .
       Die Arbeit von Hausen et al. im Jahr 1986 zeigte bereits anhand von Meerschweinchenmodellen, dass der mehrmalige Kontakt mit der Kletterpflanze zu einer Sensibilisierung führen kann. Die Arbeitsgruppe zeigte, dass das am stärksten sensibilisierende Allergen Falcarinol (heptadeca-1,9(Z)- diene-4,6-diyne-3-ol) war, welches das Hauptallergen und Hauptirritans des Efeus darstellt und ganzjährig in der Pflanze nachgewiesen werden konnte [ 6 ] .
       Falcarinol ist auch in Mitgliedern der Pflanzenfamilie der Apiaceae (Karotte, Sellerie, Koriander u. a. [ 7 ] ) enthalten. Es ein Alkylans, welches mit Aminosäuren und Proteingruppen reagiert und kovalente Bindungen an die Oberflächenmoleküle der Langerhanszellen und Makrophagen erleichtert. Durch deren Aktivierung kann es zu einer Sensibilisierung kommen. Durch erneuten Kontakt mit dem Allergen kann eine Typ-IV-Reaktion hervorgerufen werden.
Didehydrofalcarinol ist ein weiteres Allergen, welches jedoch nur geringe sensibilisierende Potenz besitzt. Der Gehalt der Allergene ist jahreszeitabhängig, geringe Mengen sind ganzjährig vorhanden [ 3, 7, 8 ] .
       Da Efeuextrakte in vielen Kosmetika und auch in einigen Antitussiva enthalten sind, wurde bereits diskutiert, ob hier ebenfalls eine Sensibilisierungspotenz vorhanden ist. Da die enthaltene Mengen Falcarinol äußerst gering sind, ist das unwahrscheinlich. Nach einer Sensibilisierung kann jedoch durch diese Stoffe ein Kontaktekzem ausgelöst werden [ 8 ] . Unser Patient hatte laut eigenen Angaben keinen Kontakt mit efeuhaltigen Kosmetika oder Medikamenten.

       Die durchgeführte allergologische Diagnostik zeigte eine positive Reaktion bei 0,1 % Efeu in Alkohol (90 % Ethanol).
Der Epikutantest wurde mit Efeu vom Klinikgrundstück, Efeu des Patienten, Karotte in Vaseline (Konzentration 1 : 10) und Sellerie in Vaseline (Konzentration 1 : 10) durchgeführt. Der positive Epikutantest mit Efeu in Alkohol und Sellerie, beide enthalten als Hauptallergen Falcarinol, deutet auf eine Kontaktallergie auf Falcarinol aus Hedera helix hin [ 9 ] . Dieser Fallbericht ist der erste, in dem Sellerie ebenfalls eine positive Hautreaktion verursachte. Auf Nachfrage besteht jedoch keine funktionelle Relevanz bezüglich Sellerie.

       Initial wurde in unserem Fall auch an eine phytophototoxische Kontaktdermatitis gedacht. Diese ließ sich im Verlauf beziehungsweise durch die weitere Diagnostik aber nicht bestätigen [ 10 ]. Wie bereits von mehreren Autoren in der Vergangenheit angeregt, wäre es sinnvoll Hedera helix in standardisierter Form in die Pflanzenreihe des Epikutantests aufzunehmen.

Interessenkonflikt:
Keiner.

Literatur
1 Mahler V , Geier J , Schnuch A . Current trends in patch testing – new data from the German Contact dermatitis Research Group (DKG) and the Information Network of Departments
of Dermatology (IVDK) . J Dtsch Dermatol Ges 2014 ; 12 ( 7 ): 583 – 92 .
2 Hausen B , Bröhas J , König WA et al. Allergic and irritant contact dermatitis from falcarinol and didehydrofalcarinol in common ivy ( Hedera helix L.) . Contact Dermatitis 1987 ; 17 : 1 – 9 .
3 Kränke B , Schuster C . Contact dermatitis: relevant differential diagnosis, simulators and variants . J Dtsch Dermatol Ges 2015 ; 13 ( 11 ): 1073 – 88 .
4 Bregnbak D , Menne T , Johansen JD . Airborne contact dermatitis caused by common ivy ( Hedera helix L. ssp. helix) . Contact Dermatitis 2015 ; 72 ( 4 ): 243 – 4 .
5 Jones JM , White IR , McFadden JP . Allergic contact dermatitis to English ivy ( Hedera helix ) – a case series . Contact Dermatitis 2009 ; 60 : 179 – 80 .
6 Hansen L , Hammershoy O , Boll PM . Allergic contact dermatitis from falcarinol isolated from Schefflera arboricola . Contact Dermatitis 1986 ; 14 : 91 – 3 .
7 Bohlmann F , Burkhardt T , Zdero C . Naturally occurring acetylenes . Academic press , London , 1973 .
8 Ozdemir C , Schneider LA , Hinrichs R et al. [Allergic contact dermatitis to common ivy ( Hedera helix L.)]. Hautarzt 2003 ; 54 ( 10 ): 966 – 9 .
9 Becker D . Allergic contact dermatitis . J Dtsch Dermatol Ges 2013 ; 11 ( 7 ): 607 – 19 .
10 Wilm A , Berneburg M . Photoallergy . J Dtsch Dermatol Ges 2015 ; 13 ( 1 ): 7 – 12 .

Die Diagnosequizze werden uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom 
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