Wikiderm - Netzwerk Haut

Wikipedia kennt vermutlich jeder, aber kennt Ihr auch schon "Wikiderm"? Ein Wiki (hawaiisch für „schnell“), seltener auch WikiWiki oder WikiWeb genannt, ist ein Hypertextsystem für Webseiten, deren Inhalte von den Benutzern nicht nur gelesen, sondern auch online direkt im Webbrowser geändert werden können (Web-2.0-Anwendung). In der Regel wird es wie ein Lexikon oder Nachschlagewerk verwendet. Nun gibt es also ein eigenes Wiki für Dermatologen und wir von JuDerm haben den Gründer, Dr. Thomas Brinkmeier aus Dortmund, dazu etwas genauer befragt.

JuDerm: Für wen wurde das Wikiderm entwickelt? Können hier auch bereits Studenten profitieren?
T. Brinkmeier: Zielgruppe von Wikiderm sind Hautärzte in der Aus- und Weiterbildung, dermatologisch Interessierte anderer medizinischer Fachgesellschaften (insbesondere Allgemeinmediziner und Internisten, Pädiater, Gynäkologen, Urologen, Histopathologen, HNO-Ärzte) und Medizinstudenten. Auf studentische Nachfrage hin wurde eine komfortable Druck- und PDF-Speicherfunktion programmiert, so dass die Inhalte auch bei fehlender Online-Option (z. B. im Hörsaal) abrufbar bleiben. Erfreulich waren bereits positive Mitteilungen auf den Homepages bzw. Facebook-Seiten der Fachschaften für Humanmedizin der Universitäten Jena und Bonn (s. Anlagen).

JuDerm: Ist Wikiderm kostenlos? Wie finanziert sich das Projekt?
T. Brinkmeier: Wikiderm ist ein privat inauguriertes und finanziertes Informationsportal der Dermatologie. Es ist als barriere- und kostenfreie Online-Enzyklopädie konzipiert und soll diesen Status auch in Zukunft behalten. Der Gewinn des Innovationspreises auf der Tagung DERMATOLOGISCHE PRAXIS in Frankenthal im Jahr 2015 war mit einer finanziellen Unterstützung des Projekts durch die Firma Jenapharm verbunden. Für das Jahr 2016 hat sich freundlicherweise das global agierende Unternehmen Abbvie zu einem Projekt-Sponsoring entschieden. Die Förderung erfolgte unangefragt. Mittelfristig wird ein Crowdfunding durch die Industrie erhofft. Sponsoren haben dabei keinerlei Einfluss auf den Inhalt und die Auswahl der Angebote von Wikiderm, das sich zu Neutralität und Unabhängigkeit verpflichtet. In der vertraglichen Zusammenarbeit mit Unternehmen der pharmazeutischen Industrie und der Medizintechnikindustrie willigt Wikiderm entsprechend den einschlägigen Transparenzkodizes vertraglich darin ein, dass die Höhe der von den Unternehmen gezahlten Geldbeträge für die Unterstützung von Wikiderm auf den Homepages der Unternehmen offen gelegt werden. Die akquirierten finanziellen Mittel werden ausschließlich projektbezogen verwendet.

JuDerm: Ein Wiki lebt ja immer von der Community, vom user generated content. Wie ist hier die Resonanz?  
T. Brinkmeier: Bis März 2016 haben sich rund 60 Ärzte registriert; die Anzahl der Fotoautoren beträgt bis dato 20. Laut Google Analytics wurden für die Seite wikiderm.de in diesem Jahr im Monat Januar 5292 Sitzungen, 4579 Nutzer und 9131 Seitenaufrufe gezählt; im Monat Februar waren es 5541 Sitzungen, 4844 Nutzer und 8898 Seitenaufrufe.

Die volle Nutzung der Internetplattform ist ohne Anmeldung oder Passwort gewährleistet; registrierte User haben zusätzlich die Möglichkeit, konstruktiv zu kommentieren. Leider herrscht bei den Kollegen bislang eine gewisse Hemmschwelle, ihre Kritik oder Anregungen voll transparent online im Kommentarfeld zu hinterlegen. Dieser Schritt erfordert offenbar noch mehr Zeit, Gewöhnung und Vertrauen in das Projekt. Mir als Gründer und Schriftführer wurden aber wiederholt konkrete, inhaltsbezogene Hinweise sowohl per Email zugesandt als auch persönlich auf Fortbildungsveranstaltungen mitgeteilt, wofür ich immer sehr dankbar bin. Auch unter diesen Eindrücken habe ich mich zu einem Relaunch des Logos entschlossen (s. Anlage); ein Neudesign der Startseite und der Piktogramme steht ebenfalls kurz vor der Veröffentlichung. Das neue, wertige Logo wird die Originalität der Plattform hoffentlich besser unterstreichen. Hierdurch soll ein Anreiz für Aktivitäten neuer ärztlicher Mitarbeiter gesetzt werden, denn Wikiderm bietet im Gegenzug an, das Nutzungsrecht des Logos für die Homepage, den Briefkopf und die Email-Signatur des Kooperationspartners zu übertragen.

JuDerm: User können bei Wikiderm kommentieren und selber Material einstellen. Wie sichern Sie die Qualität, vor allem bei steigenden Nutzerzahlen? 
T. Brinkmeier: Direkte Eintragungen sind nur durch registrierte User im Kommentarfeld zu jedem Stichwort möglich. Änderungen im Fließtext können dagegen auch nach Registrierung nicht direkt vorgenommen werden; das Wiki ist also administrativ kontrolliert. Die Qualitätskontrolle ergibt sich zu einem gewissen Grad durch die „Schwarmintelligenz“ des fachärztlichen Nutzerkreises - vor allem aber durch die fast ausschließliche Konzentration auf Artikelinhalte, die bereits einen Peer-Review-Prozess erfolgreich durchlaufen haben, was zu einer Publikation in einem Pubmed-gelisteten Journal geführt hat.

JuDerm: Wie ist Ihre Vision für Wikiderm - wo sehen Sie das Portal in 5-10 Jahren? 

T. Brinkmeier: Meines Erachtens bietet das Wiki-Format die derzeit beste Option, das Informationsangebot - trotz immer kürzer werdender „Halbwertszeiten“ des Faktenwissens gerade im medizinisch-forschenden Bereich - möglichst up to date zu halten. Da limitierte Speicherkapazitäten heutzutage kein Thema mehr sind, können auch visuell geprägte Inhalte mit hohem Datenvolumen (wie im Fachbereich der Dermatologie augenscheinlich vorliegend) komfortabel und umfassend dargestellt werden. Das ist für den praktisch tätigen Dermatologen wichtig, um nicht nur lehrbuchhaft archetypische Befunde, sondern die ganze morphologische Bandbreite präsentiert zu bekommen. Ein wichtiger Wunsch für die Zukunft ist die vertrauensvolle Kooperation mit einer Hautklinik, die interessiert wäre, Ihre „Schätze“ des Fotolabors bzw. turnusmäßig stattfindender „Diakliniken“ für die Plattform zur Verfügung zu stellen.

Zur Person:
Dr. Thomas Brinkmeier schloss das Studium der Humanmedizin im Jahre 1998 an der westfälischen Wilhelms-Universität Münster ab.
Erste dermatologische Erfahrungen während des Studiums (von 1991-1998) sammelte er im Rahmen von zwei Famulaturen an der Universitäts-Hautklinik in Münster (Prof. Dr. med. T. Luger) und im Department of dermatology (Dres. med. H. Fawcett und V.A. Venning) des North Hampshire Hospital in Basingstoke, England.
Nachfolgend begann er seine spezielle dermatologische Ausbildung an der Hautklinik der Universität Oxford.
Von 1998 bis 2008 war er an der Hautklinik Dortmund tätig, in den letzten 3 Jahren als Oberarzt mit chirurgischem Schwerpunkt und Leitungsfunktion für die Ambulanz.
Seit dem 01.07.2008 ist er in der hautärztlichen Gemeinschaftspraxis am Markt in Dortmund niedergelassen.
Neben der Facharztanerkennung erlangte er die Zusatzbezeichnungen "Allergologie" und "medikamentöse Tumortherapie". 

Neben Vorträgen auf wissenschaftlichen Kongressen und dermatologischen Qualitätszirkeln umfassen seine Veröffentlichungen als Autor oder Co-Autor bis dato 21 in der US-amerikanischen Datenbank für Medizin gelistete Fachpublikationen.

Im Springer-Verlag erschien sein umfassendes Dermatologie-Kompendium für Facharztkollegen.

Im jahr 2010 ist er von der Ärztekammer Westfalen-Lippe als Gerichtsgutachter vorgeschlagen und vom Amtsgericht Schwerte ernannt worden. Auch für ein Versicherungsunternehmen ist er gutachterlich tätig.

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