Diagnose

Hämorrhagischer Lichen sclerosus et atrophicus

Der Lichen sclerosus et atrophicus findet sich bei erwachsenen Männern am häufigsten an der Glans penis und am Präputium, bei Frauen im vulvären Bereich. Die Erscheinungsform am männlichen Genitale wurde erstmals 1908 von Delbanco beschrieben. Die Entwicklung eines spinozellulären Karzinoms ist möglich.

Ätiologie

Die Ursache wird kontrovers diskutiert. Eine genetische Komponente spiegelt sich in der familiären Häufung wider. Es wird diskutiert, ob außerdem sowohl autoimmune (gleichzeitiges Auftreten von z.B. Alopezia areata, Vitiligo) als auch infektiöse (Borrelia burgdorferi, HPV) Faktoren eine Rolle spielen.

Diagnose

Oft handelt es sich um eine Blickdiagnose mit weißlichen Läsionen, bei Abhebung der Epidermis können teils hämorrhagische Blasen (wie im vorliegenden Fall) entstehen. Die Diagnose wird histologisch bestätigt.

Differenzialdiagnose

Differenzialdiagnostisch muss zum Beispiel an einen Lichen ruber planus, eine Leukoplakie und ein spinozelluläres Karzinom gedacht werden. Beim extragenitalen Lichen sclerosus kommt differentialdiagnostisch eine zirkumskripte Skerlodermie in Frage. Bei Manifestation an der Vulva von Mädchen muss, insbesondere bei Hämorrhagien, der sexuelle Missbrauch als Ursache abgegrenzt werden.

Therapie

Zur topischen Therapie wird die Anwendung von hochpotenten glukokortikoidhaltigen Salben empfohlen. Die lokale Behandlung mit  Calcineurin-Inhibitoren (Tacrolimus) ist möglich. Bei extragenitalem Lichen sclerosus werden auch Erfolge mit UVB 311 nm und PUVA beschrieben. Bei ausgeprägten Fällen kann ein Versuch mit Acitretin oral unternommen werden.
Eine operative Therapie kommt vor allem dann in Betracht, wenn der Verdacht auf ein spinozelluläres Karzinom besteht. Bei Herden an der Glans penis ist eine Zirkumzision meist nicht zu vermeiden, da eine Phimose so verhindert bzw. behandelt und vorhandene Herde zur Abheilung gebracht werden können.

Quelle
Zeitschrift: hautnah dermatologie  2014/4 (Urban & Vogel (2014))
Autoren: Dr. med. Lea Wiskemann, Dr. med. Benjamin Durani, Dr. med. Hendrike Durani, Dr. med. Nina Scheiba, Dr. med. Sven Bolz, Prof. Wolfgang Hartschuh

Haut- und Laserzentrum Heidelberg
Bergheimer Straße 56a
69115 Heidelberg

 

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