Diagnose

Diagnose:

Pseudo-sporotrichoide Tinea corporis verursacht durch Microsporum canis

Diskussion
Die mykologische Kultur zeigte das klassische Wachstum von Microsporum canis (Abbildung 2). Der Erreger konnte mittels PCR bestätigt werden (EUROArray Dermatomycosis, EUROIMMUN Medizinische Labordiagnostika AG, Lübeck, Deutschland). In einer neuerlichen Anamneseerhebung erinnerte sich die Patientin, dass sie einige Tage vor Symptombeginn in Österreich eine streunende Katze gestreichelt hatte. Die Hautinfektion unserer Patientin heilte unter einer zweiwöchigen Lokaltherapie mittels Flutrimazol-Creme zweimal täglich vollständig ab.
Aus dem vorliegenden Fall gehen mehrere lehrreiche Punkte hervor:
Erstens, obwohl die Anamnese für die Diagnose vieler Erkrankungen essenziell ist, kann sie gelegentlich in die Irre führen. Manchmal werden Details von Patienten als irrelevant erachtet oder vergessen, die Fragestellung nicht verstanden oder Patienten treffen aus verschiedensten Gründen bewusst falsche Aussagen. Eine wiederholte Anamneseerhebung ist oft notwendig, um diagnostische Resultate zu bestätigen/auszuschließen.
Zweitens, „Wenn du Hufgetrappel hörst, denk an Pferde, nicht an Zebras“, gilt auch für infektiöse Dermatosen. Eine sporotrichoide Ausbreitung ist typisch für einige pathogene Keime und deshalb gilt es, zunächst die häufigsten Ursachen auszuschließen. Die Gedächtnisstütze „SLANTS“ hilft, sich die klassischen Erreger sporotrichoider lymphokutaner Infektionen ins Gedächtnis zu rufen: Sporotrichose, Leishmaniose, Atypische Mykobakteriose, Nokardiose, Tularämie und Katzenkratzkrankheit (cat-Scratch disease) [1]. Tabelle 1 gibt eine Übersicht über die häufigsten Erreger in Zentraleuropa [2–5]. Zusätzlich können sich gelegentlich auch seltenere Keime wie Mycobacterium tuberculosis mit einer sporotrichoiden Ausbreitung präsentieren [6]. Allerdings können infektiöse Hauterkrankungen durch weitaus häufigere Erreger ebenfalls eine (pseudo-)sporotrichoide Verteilung aufweisen [7], weshalb durch deren Berücksichtigung gelegentlich weitere ausführliche diagnostische Abklärungen vermieden werden können.
Drittens liegt in der Dermatologie die Wahrheit (und die korrekte Diagnose) in den Details. Eine typische sporotrichoide lymphokutane Infektion ist durch Hautläsionen gekennzeichnet, welche sich vom Ort der Erregerinokulation entlang dermaler und subkutaner Lymphgefäße ausbreiten [1]. Das Synonym „noduläre Lymphangitis“ impliziert, dass die Hautläsionen knotig sind [7]. Exemplarisch kommt es bei der klassischen Präsentation einer kutanen Sporotrichose zum Auftreten eines primären Knotens an einem Finger, beispielsweise nach einer Verletzung mit einem Rosendorn. Die Primärläsion ulzeriert häufig und ohne Behandlung schreitet die Infektion entlang der Lymphgefäße fort, wodurch sekundäre Knoten und eine regionale Lymphadenopathie entstehen [1]. Im Gegensatz dazu zeigten sich in unserem Fall als Primäreffloreszenz keine Knoten, sondern Bläschen, welche sich rasch zu Erosionen umwandelten. Zusätzlich waren die Läsionen nicht ausschließlich den Lymphgefäßen folgend angeordnet, vor allem am linken Unterarm. Untypisch war auch die Beteiligung von zwei Extremitäten, welche im Rahmen von klassischen sporotrichoiden Infektionen nur gelegentlich bei immunsupprimierten Patienten auftritt [1, 7].
Viertens verdeutlicht der vorliegende Fall exemplarisch die herausragende Nützlichkeit einer Kaliumhydroxid-Präparation. Diese kann schnell und einfach in jeder dermatologischen Praxis zur Anwendung kommen, ist nahezu ohne Kosten und für die Patienten kaum belastend. Dadurch können eine Pilzinfektion bereits beim Erstbesuch nachgewiesen und somit unnötige oder teure diagnostische Tests und Diagnoseverzögerungen vermieden werden.

Danksagung
Die Autoren danken Frau Erika Probst für das zur Verfügung gestellte Bild der Pilzkultur. Wir wünschen Dir einen gesunden und glücklichen Ruhestand, Erika!

Interessenkonflikt
Keiner.

Literatur
1 Fitzpatrick JE, Morelli JG. Dermatology Secrets Plus. 5th ed. Philadelphia: Elsevier; 2015: 275–6.
2 Handler MZ, Patel PA, Kapila R et al. Cutaneous and mucocutaneous leishmaniasis: Differential diagnosis, diagnosis, histopathology, and management. J Am Acad Dermatol 2015; 73(6): 911–26; 927–8.
3 de Lima Barros MB, Schubach AO, de Vasconcellos Carvalhaes de Oliveira R et al. Treatment of cutaneous sporotrichosis with itraconazole-study of 645 patients. Clin Infect Dis 2011; 52(12): e200–6.
4 Franco-Paredes C, Marcos LA, Henao-Martínez AF et al. Cutaneous mycobacterial infections. Clinical Microbiol Rev 2018; 32(1): e00069–18.
5 Bass JW, Freitas BC, Freitas AD et al. Prospective randomised double blind placebo-controlled evaluation of azithromycin for treatment of cat-scratch disease. Pediatr Infect Dis J 1998; 17(6): 447–52.
6 Veronese F, Molinari R, Astolfi S et al. Disseminated ulcers with sporotrichoid distribution. J Dtsch Dermatol Ges 2020; 18(2): 153–6.
7 Tirado-Sánchez A, Bonifaz A. Nodular lymphangitis (sporotrichoid lymphocutaneous infections). Clues to differential diagnosis. J Fungi (Basel) 2018; 4(2): 56.

Die Diagnosequizze werden uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom 
"Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft" © Deutsche Dermatologische Gesellschaft