Dermatologie auf Reisen

Schon ein bekanntes Sprichwort besagt „Wenn man eine Reise tut, dann kann man was erzählen“. Da im Sommer meist der Jahresurlaub ansteht, sollte man sich auf diesen gut vorbereiten. Aber auch zu anderen Jahreszeiten sind inzwischen immer mehr Fernreisen beliebt. Ich möchte euch die Reisezeit aus dermatologischer Sicht beleuchten – was sollte man beachten oder besser nicht tun? 

Aus eigener Erfahrung kann ich euch sagen, dass eine kleine Reiseapotheke Gold wert ist. Dazu gehört definitiv ein Antihistaminikum, eine Cortisoncreme und etwas Antibiotisches.  

Denn es passiert immer genau dann, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann – ein Wespenstich oder Mückenstich, der anschwillt und auf den man übermäßig reagiert. Auch Grasmilben oder Sandflöhe können die Urlaubsfreude schmälern. Einmal am falschen Ort zur falschen Zeit, sieht man sich plötzlich komplett übersät mit Stichen wieder. Und ich kann euch aus eigener Erfahrung berichten, wenn diese dann als hochrote Plaques eure Beine zieren und der quälende Juckreiz einen nicht in Ruhe lässt, hat man nichts vom Urlaub. So liegt man dann im Antihistaminikum-Koma mit 4-fach täglichem Off-Label-Use – weil wir´s können - im Hotelzimmer und wünscht sich wieder ins schöne Deutschland zurück. Denn wenn die kleinen Tierchen erstmal zugebissen haben, gibt es keine ursächliche, nur eine symptomatische Therapie und die Hoffnung, dass irgendwie die Zeit vergeht. 

Da man sich im Urlaub plötzlich ganz viel im Freien und in der Sonne aufhält und sich meist südlicher und damit näher am Äquator befindet, sollte man natürlich auf ausreichend Sonnenschutz achten – am besten die eigenen Produkte mitbringen oder vor Ort nachkaufen. Denn nichts ist schlimmer als ein quälender Sonnenbrand bei 40 Grad im Schatten – für euch und euer Hautkrebsrisiko. 

Eine weitere interessante Reiseerfahrung sind die Sitten in anderen Ländern, an die man sich erst gewöhnen muss. Im asiatischen Raum, z.B. Thailand, gehört es zum guten Ton, beim Betreten von Räumlichkeiten die Schuhe auszuziehen. Da klingeln als Dermatologe natürlich gleich die Alarmglocken im Kopf. Die Tempel, die von hunderten Menschen täglich besichtigt werden, muss man ohne Schuhe betreten. Das kostet erstmal Überwindung, denn wer weiß, wie viele Warzen und Fußpilze da schon vor einem gelaufen sind. Ein kleiner Tipp – man darf mit Socken rein. Da man auf Grund der Hitze allerdings meist offene Schuhe trägt, einfach ein paar Socken mitbringen und vorm Tempel anziehen. So läuft es sich definitiv mit besserem Gewissen und weniger Paranoia. 

Eine weitere Berufskrankheit von mir und vielleicht auch euch – wenn man zufällig an einem Drogeriemarkt oder Apotheke vorbeikommt, die Produkte dort auschecken. Erstaunlicherweise findet man da teilweise wilde Kombinationen von Antimykotikum, Antibiotikum und Cortison in einer Creme vereint und diese gibt’s sogar noch rezeptfrei im 500g Behälter. Da geht das Dermatologenherz auf! Haben wir nicht alle gelernt, man soll zielgerichtet behandeln und um Resistenzen zu vermeiden solche Mischungen nicht anwenden. Gerade bei rezeptfreiem Gebrauch wird dies von der Bevölkerung natürlich gerne in Anspruch genommen. So ist es kein Wunder, dass es in Indien den multiresistenten Trichophyton indotineae gibt, der nicht mal mehr auf orale Terbinafin-Therapien anspricht. 

Auch Skabies ist in manchen Ländern deutlich verbreiteter als bei uns – wer kennt nicht das beklemmende Gefühl, sich in öffentlichen Verkehrsmitteln an einen Platz zu setzen, wo vorher jemand saß, der sich stark gekratzt hat? Auch wenn es nur durch mindestens 10-minütigen Körperkontakt übertragbar sein soll, möchte man nicht auf einem solchen Platz sitzen oder ein Zimmer beziehen, wo die kleinen Milben fröhlich rumhüpfen. Versucht am besten, euch nicht von eurem Dermatologenwissen den Urlaub vermiesen zu lassen, sondern ihn auch zu genießen! 

Ein Souvenir aus dem Urlaub ist meist ein Muss – am letzten Tag wird noch schnell durch die Läden getingelt, um ein paar nette Kleinigkeiten zu finden. Es gibt jedoch auch Souvenirs der anderen Art – Bettwanzen etc. Auf diese können wir getrost verzichten! Um die ungeliebten „Mitbringsel“ zu vermeiden, unbedingt vorher Hotelrezensionen checken. Außerdem kann man noch weitere Dinge beachten, wie z.B. die Bettwäsche bei Ankunft nach kleinen dunklen Punkten absuchen und immer Koffer und Taschen geschlossen halten – damit die kleinen Plagegeister erst gar keine Möglichkeit haben, sich ins Gepäck zu schmuggeln und damit mit nach Hause gebracht zu werden.  

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem kleinen Trip durch die Dermatologie auf Reisen ein bisschen Wissen und auch Spaß näherbringen. In diesem Sinne, genießt euren nächsten Urlaub, schaltet ab und das Dermatologen-Overthinking aus! 

Eure Kathi