In 365 Tagen zum Facharzt

In 365 Tagen zum Facharzt – Meine Vorbereitung auf die Facharztprüfung

Noch ein gutes Jahr bis zum Facharzt – für mich der perfekte Zeitpunkt mit dem Lernen zu beginnen. So können alle Themen der Dermatologie nochmal im Detail gelesen werden. Denn wann nimmt man sich schon diese Zeit, wenn nicht jetzt?!? Alternativ die wichtigsten Inhalte kurz vor der Prüfung nach einem 8-stündigen Arbeitstag geballt zu lernen, stelle ich mir ziemlich stressig vor. Schon so habe ich das Gefühl, dass mir das Lernen deutlich schwerer fällt als zu Studienzeiten. Wie hat man es zum Physikum eigentlich geschafft ganze Bücher auswendig zu lernen?!? Um bei dem Credo meines letzten Beitrags zu bleiben – einfach mal loslegen. Das Lernen kommt mit dem Lernen und dann auch der Spaß daran.

Hilfsmittel gibt es ja zum Glück genug: Neben dem klassischen Lernen mittels einem der großen Standardwerke, gibt es auch Literatur, die einen anhand von Fragen oder Fallbeispielen durch die wichtigsten Themen der Dermatologie führt, wie z.B. das Buch Facharztprüfung Dermatologie und Venerologie – 1000 kommentierte Prüfungsfragen von Thieme. Fallbasiertes Lernen kann man z.B. auch bei e.med. von Springer Medizin im Rahmen eines Facharztvorbereitungskurs mit 56 Patientenfällen und über 100 dazugehörigen Lernkarten. Als ideale Wiederholung kurz vor dem Facharzt bieten sich entsprechende Veranstaltungen auf den großen dermatologischen Kongressen an.

Ich habe mich für den Facharztvorbereitungskurs der Dermatologischen Fortbildungs-Gesellschaft DERFO entschieden. Hier wird vor allem Wert auf Kontinuität gelegt. Der komplette Kurs erstreckt sich über ein Jahr und ist in sechs Blöcke unterteilt. Zunächst steht das Selbststudium an mit einem 365 Tage Lernplan. Jeweils nach zwei Monaten folgt dann ein ganztägiges Seminar, auf welchem die Inhalte der jeweiligen Lernblöcke von den Dozenten zusammengefasst werden. Der Einstieg ist jederzeit möglich.

Die Lehrmaterialien für den Lernplan stehen online zur Verfügung. Hier kann man sich entscheiden, ob man als „Intensivkurs“ mit dem Lehrbuch Braun-Falco oder als „Basic-Plus-Kurs“ mit der Altmeyer Enzyklopädie lernen möchte. Am Ende eines Blocks stehen als super Ergänzung noch die Leitlinien der bis dahin gelernten Themen an.

Optional kann man das oben beschriebene Abo-Paket e.Med Dermatologie von Springermedizin mit den 56 Patientenfällen und weiteren Vorteilen vergünstigt dazu buchen sowie einen eintägigen Dermatoskopie Workshop.

So weit so gut die Theorie, aber wie sieht das Ganze in der Realität aus? Ich bin nun am Ende des ersten Blocks angekommen und muss sagen, dieses Konzept ist für mich genau richtig und erinnert mich an den 100 Tage Lernplan für das Hammerexamen zurück, mit dem ich gut gefahren bin. Ich habe mich für die „Intensivkurs“ Variante mit dem Braun-Falco entschieden. Das Pensum ist zwar, auch über 365 Tage verteilt, nicht zu unterschätzen und täglich am Ball zu bleiben muss im Alltag erst mal untergebracht werden, aber zum Glück sind regelmäßig freie Tage zum Selbststudium eingeplant. Dafür ist es dann auch unheimlich lehrreich und es schließt sich schnell der Kreis zwischen den praktischen Erfahrungen der letzten fünf Jahre und dem Gelernten. Mir persönlich fällt es teilweise schwer die vielen Informationen nach ihrer Relevanz zu selektieren und mich nicht im Detail zu verrennen. Was muss ich z.B. über Amyloidosen und Fettstoffwechselstörungen für die Facharztprüfung und den klinischen Alltag wirklich wissen? Dafür gibt es dann ja noch die Seminare, die übrigens normalerweise mit einem Eingangstestat beginnen und mit einem Abschlusstest abgerundet werden.

Mein erster Seminartag hat trotz 30° draußen und strahlendem Sonnenschein viel Spaß gemacht und war sehr informativ. Insbesondere wenn man sich vorher schon in der Literatur mit den Themen beschäftigt hat, profitiert man umso mehr. Die Dozenten haben ihre Vorträge alle didaktisch ausgezeichnet, sehr anschaulich und praxisnah aufgebaut. So gab es z.B. beim Thema Akne, Akne inversa und Rosazea zum Schluss jeweils ein Fallbeispiel an dem die wichtigsten Punkte nochmal zusammengefasst wurden. Viel Wert wurde auch auf den Bezug zu den jeweiligen Leitlinien gelegt, jedoch auch auf die persönlichen praktischen Erfahrungen der Dozenten. Doch auch ein kompletter Seminartag reicht nicht aus, um alle Themenbereiche des ersten Lernblocks zu besprechen. So wurden Schwerpunkte auf die großen Themen wie Akne, Psoriasis, Nagel- und Haarerkrankungen sowie Dermatopathologie gelegt, während kleinere Themen wie die oben genannte Amyloidose gar nicht thematisiert wurden. Sicherlich ein Fingerzeig auf welche Themen man sich beim Lernen fokussieren sollte. Die seltenen Dermatosen in Grundzügen zu kennen, schadet trotzdem nicht und gibt einem die Sicherheit zumindest eine grobe Übersicht dazu in der Prüfung nennen zu können und an diese im Arbeitsalltag als zukünftiger Facharzt zu denken.

Mittlerweile liegt auch der 2. Lernblock und Seminartag hinter mir und meine Begeisterung hält an!

Die Seminare finden unter normalen Bedingungen in Essen statt, zuletzt im Hybrid-Format. Auch die online Teilnahme hat gut funktioniert. Nimmt man an den Seminaren in Essen teil, summiert sich dies mit Anfahrt und Hotelübernachtung, je nachdem woher man kommt. Dafür ist man vor Ort vielleicht „noch mehr dabei“ und profitiert vom persönlichen Austausch. Ansonsten finde ich den Preis mit 450 Euro für die Seminare, den Lehrplan und die Lehrmedien fair (als BVDD Mitglied bekommt man übrigens noch 50 Euro Rabatt!) Die Zusatzkomponenten kosten jedoch nochmal extra.

Du siehst, es gibt diverse Möglichkeiten sich vorzubereiten, hier sollte für jeden Lerntyp etwas dabei sein. Heute habe ich meinen Weg vorgestellt. Welche Erfahrungen hast du gemacht und wie bereitest du dich auf die Facharztprüfung vor? Gibt es noch andere Lernformate, die du dir wünschen würdest? Ich freu mich auf eure Kommentare.

Eure Frederieke